Das Honorar. Die Auflagen. Dil
wie ein harmloses Kauffahrteischiff unter dem Schutz des zweiten Reisebilderbandesruhig ins Meer der Vergangenheit hinabsegeln".
Der Erfolg sollte diese schlimmen Prophezeiungen jedoch glänzend widerlegen.Allerdings war dieser Erfolg nur ein langsamer. Sowohl die Kritik wie dasPublikum ließen sich sehr lange Zeih ehe sie das Buch nach seiner vollen Bedeutungwürdigten. Die erste Auslage, die Campe in 5000 Exemplaren drucken ließ, brauchtezehn Jahre, ehe sie vergriffen war, während der erste Band der „Reisebilder",gleichfalls in 5000 Exemplaren, schon nach einem Jahre vergriffen gewesen ist.
Die zweite Auflage erschien 1837, die dritte 1839, die vierte 1841, die fünfte 1844.Bis zu dieser fünften Auflage hat Heine stetig an seinem Buche gefeilt und geändert.Bis zum Tode des Dichters erschienen im ganzen dreizehn starke Auflagen.
Die Ausgaben, die Heine selbst im einzelnen nicht durchgesehen, enthalten vieleDruckfehler. Sie datieren aus den Jahren 1849, 1851, 1854, 1855, 1857, 1858,1859, 1860, 1864, 1870, 1871, 1872, 1874, 1875, 1876, 1877, 1878, 1885.Bis zu dem Zeitpunkte, wo die Werke Heines nach unserem deutschen Gesetz freiwurden, hatte Campe also über 50 große Auflagen des „Buches der Lieder"gedruckt. Besonders gesetzte Auflagen (von den gesamten Ausgaben) mögenim ganzen etwa fünfzehn erschienen sein, von denen in späterer Zeit größereQuantitäten, so von einem Neusatz 10 000 Exemplare mit drei laufenden Auflage-bezeichnungen gedruckt wurden. Später traten Stereotypplatten ein. Das „Buchder Lieder" ist sechsmal neu stereotypiert worden, die Platten der Gesamtausgabenwurden auch zu Einzeldrucken benutzt.
Von Interesse dürfte es für den Bibliophilen sein, daß ein einziges Exemplarin Broner-Druck existiert. Es ist von der Offizin Holzhausen in Wien hergestelltund befindet sich in den Händen des Verlagsbuchhändlers Julius Campe (Sohn)als ein Geschenk der Offizin: also eine Auflage in einem Exemplar.
Auch das ist nicht uninteressant für den Bibliophilen, daß eine Ausgabe ausdem „Buch der Lieder", aus den „Neuen Gedichten" und dem „Romanzero" (fürFrauen) unter dem Gesamttitel „Neuer Frühling" gedruckt wurde, die zwar keinenAnklang gefunden, gleichwohl aber sehr selten geworden ist.
Ehe ich von dieser Ausgabe zu den kastrierten Editionen übergehe, möchte ichnoch einen Punkt erledigen, der allerdings mehr für die Bibliomanie von Interessezu sein pflegt, nämlich den etwaiger komischer oder seltsamer Abnormitäten. Solcheexistieren meines Wissens im „Buch der Lieder" nicht. Auch Julius Campe, denich darnach befragte, sind sie nicht bekannt; nicht einmal die Druckfehler ent-halten Kuriosa.
Viel interessanter sind die Korrekturen und Verbesserungen, die Heine vor demDruck angebracht; aber ich weiß nicht, ob auch diese Dinge sich noch in das