100 Das Buch der Lieder,
Schon im Winter 1826 hatte Heine an seinen Freund, den Kaufmann FriedrichMerckel, geschrieben: „Einige Freunde dringen daraus, dag ich eine auserleseneGedichtsammlung, chronologisch geordnet und streng gewählt, herausgeben soll, undglauben, daß sie ebenso populär wie die Bürgersche, Goethesche, Uhlandsche u,werden wird.... Ich würde einen Teil meiner ersten Gedichte aufnehmen, ichdarf es ruhig thun, da mir Maurer keinen Pfennig Honorar gegeben hat; ichnehme fast das ganze »Intermezzo- — könnte Dümmler mir nicht verargenund dann die späteren Gedichte, wenn Campe, von dem ich keinen Schillingverlangen würde, wenn er das Buch verlegen wollte, nicht fürchtet, dasz die »Reise-bilder« dadurch beeinträchtigt würden. Wie gesagt, ich wollte für dieses Buchkeinen Schilling verlangen. Die Wohlfeilheit und die anderen Erfordernisse desPopulärwerdens wären meine einzigen Rücksichten . .. Hör' doch mal aus Campeheraus, ob ihm solch' ein Plan nicht mißfällt und ob er solchem Buch — es wär'keine gewöhnliche Gedichtsammlung Absatz verspricht. .. ." Nun muß gesagtwerden, daß Julius Campe diesem Plan von vornherein gar nicht geneigt war.Er liebte nicht den Verlag von Gedichten z erst nach langem Zureden entschloß ersich nach Zusicherung sämtlicher künftiger Auflagen des „Buches der Lieder", überein Darlehen von 50 Louisdors, das Heine im Frühjahr bei ihm gemacht und aufdessen Rückgabe er wohl ohnedies nicht mehr gerechnet, zu quittieren.
Die geringen Erwartungen, die Campe hegte, teilten sich auch Heine mit. MitteOktober 1827, sobald Heine nach Hamburg kam, begann der Druck. Es soll nichtunerwähnt bleiben, daß Heine damals auf Druck und Ausstattung seiner Werkegroßes Gewicht legte und sich deshalb oft in Streitigkeiten mit seinem Verlegerverwickelte. Ja, beim zweiten Band der „Reisebilder" verstand er sich sogar zueiner Honorarverkürzung von 30 Louisdors, einer für die damaligen VerhältnisseHeines sehr bedeutenden Summe, damit das Buch auf besserem Papier gedrucktwerden könnte.
Sehr interessant sind die Korrekturen, welche er machte. So schreibt er einmalan seinen Freund Merckel, der den Druck überwachte, aus Lüneburg: „Du mußtin den Seebildern »ausschilt« statt des unrichtigen »ausschalt« setzen, auch kannstDu »gottbefruchtete Jungfrau« statt »gottgeschwängerte« lesen. Uebrigens beziehtsich das auf die Königstochter, die Juno immer verfolgte, wenn Jupiter siegeschwängert hatte, wie sie denn auch den Herkules, den Zwölf-Wunderthäter, als
solchen Gottessohn verfolgte" „Ist das Wort »Josty-baisers« nicht richtig
geschrieben, so ändere es".
Mitte Oktober wurde das Buch versandt. Heine schrieb Ende des Monats anseinen Freund Moser: „Durch Buchhändlergelegenheit habe ich das Buch schon anDich von Hamburg aus abgeschickt. Es ist wunderschön ausgerüstet und wird