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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
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78 Christian Dietrich Grabbe.

geht sein Zvert verloren; doch es ist die Frage, ob solches noch bei Lebzeitender Frau geschehen kann".

In dem Memoirensragment Heines, welches vor einigen Jahren das Licht derWelt erblickt hat, finden wir eine ziemlich ausführliche Notiz über Grabbe, dieaugenscheinlich kurz nach der Lektüre jenes Manuskripts von Ziegler entstanden ist,da sie Grabbe gegen einen Vorwurf verteidigt, den Ziegler in unverblümter Weisezuerst ausgesprochen hat. Diese Notiz ist für die Beurteilung, die Heine demehemaligen Jugendfreunde Grabbe angedeihen liest, höchst charakteristisch; es istvielleicht nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, dast sie auch an sich wohl dasinteressanteste Stück aus diesem Memoirenfragment bildet, da sie von dem ZartsinnHeines Kunde giebt, der die erste sich ihm darbietende Gelegenheit ergreift, dieverunglimpfte Mutter seines Freundes in der öffentlichen Meinung wieder zuEhren zu bringen. Hören wir zum Schlust, was Heine hierüber mitzuteilen weist:Ich las einmal in der Biographie des armen Dietrich Grabbe, daß das Lasterdes Trunks, woran derselbe zu Grunde gegangen, ihm durch seine eigene Mutterbereits eingepflanzt worden sei, indem sie dem Knaben, ja dem Kinde, Brannt-wein zu trinken gegeben habe. Diese Erklärung, die der Herausgeber der Biographieaus dem Munde feindseliger Verwandten erfahren, scheint grundfalsch, wenn ichmich der Worte erinnere, womit der selige Grabbe mehrmals von seiner Muttersprach, die ihn oft gegen das »Supen« mit den nachdrücklichsten Worten verwarnte.Sie war eine rohe Dame, die Frau eines Gefängniswärters, und wenn sie ihrenJungen »Wolf Dietrich« karessierte, mag sie ihn wohl manchmal mit den Tatzen einerWölfin auch ein bißchen gekratzt haben. Aber sie hatte doch ein echtes Mutter-herz und bewährte solches, als ihr Sohn nach Berlin reiste, um dort zu studieren.

Beim Abschied, erzählte mir Grabbe, drückte sie ihm ein Paket in die Hand,worin weich umwickelt mit Baumwolle sich ein halbes Dutzend silberne Löffelnebst sechs dito kleinen Kaffeelöffeln und ein großer dito Potagelöffel befand, einstolzer Hausschatz, dessen die Frauen aus dem Volke sich nie ohne Herzblutenentäußern, da sie gleichsam eine silberne Dekoration sind, wodurch sie sich von demgewöhnlichen zinnernen Pöbel zu unterscheiden glauben. Als ich Grabbe kennenlernte, hatte er bereits den Potagelöffel, den Goliath, wie er ihn nannte, auf-gezehrt. Befragte ich ihn manchmal, wie es ihm gehe, antwortete er mit bewölkterStirn lakonische »Ich bin an meinem dritten Löffel, oder, ich bin an meinemvierten Löffel. Die großen gehen dahin, seufzte er einst, und es wird sehr schmaleBissen geben, wenn die kleinen, die Kaffeelöffelchen, an die Reihe kommen, undwenn diese dahin sind, giebt's gar keine Bissen mehr«. Leider hatte er recht,und je weniger er zu essen hatte, desto mehr legte er sich aufs Trinken und wardein Trunkenbold. Anfangs Elend und später häuslicher Gram trieben den Unglück-