Die Freunde. Das eigene Geschäft, 57
Jahre, das er gleichfalls in Hamburg verbracht. Erst viel später hat er über seindamaliges Hamburger Leben in einem Briefe an seinen Freund vr. ImmanuelWohlwill (7. April 1823) einige vertrauliche Mitteilungen gemacht, indem ersagten „Mein inneres Leben war brütendes Versinken in dem düstern, nur vonphantastischen Lichtern durchblitzten Schacht der Traumwelt; mein äußeres Lebenwar toll, wüst, cynisch, abstoßend,- mit einem Wort, ich machte es zumschneidenden Gegensatz meines inneren Lebens, damit mich dieses nicht durch seinUebergewicht zerstöre."
Es läßt sich denken, daß ein solcher Lebenswandel dem auf Reputation außerordent-lich viel haltenden Salomon Heine und seiner Familie nichts weniger als angenehmwar. Dazu kamen verschiedene Zwischenträgereien. Salomon Heine konnte esseinem Neffen nicht verzeihen, daß er, anstatt seinen Geschäften nachzugehen, heim-lich Gedichte machte und diese sogar, wenn auch unter falschem Namen, veröffent-lichte ; dazu noch Gedichte, welche, wie sich bald herausstellte, seiner LieblingstochterAmalie galten. Die beiden Schwiegersöhne Salomon Heines, Christian MoritzOppenheimer und vr. juris Adolf Halle, hatten ebenfalls „nur eifersüchtige Blickeund Mißwollen" gegen den jungen Heine. All diese bitteren und trüben Erfahrungenverdichteten sich in dem jungen Poeten zu der düsteren und tragischen Stimmung,die den Grundzug seiner Poesie bildete. Kein Wunder, daß die Erinnerung anjene Leidenszeit in Hamburg, „wo er das Jugendkreuz geschleppt und seine Dornen-krone", eine trübselige geblieben ist.
Das Jahr 1818 bringt uns einige weitere Mitteilungen über Heines Aufent-halt in Hamburg. Zu Anfang dieses Jahres löste Salomon Heine die Verbindungmit seinen Kompagnons und wurde mit einem Vermögen von mehr als einerMillion Thalern der alleinige Chef des bereits damals schon sehr angesehenen Bank-hauses. Dadurch wurde auch Heines Stellung verändert, und er verließ dasGeschäft, um sich eine eigene Existenz zu begründen. Das „Hamburger Adreßbuchfür 1818" führte unter der Firma „Harry Heine ^ Co." ein Kommissionsgeschäftin englischen Manufaktur«arm auf, das zuerst im Graskeller 139, dann in derKleinen Bäckerstraße 47 betrieben, aber im März 1819 bereits liquidiert wurde.Dieses Geschäft war aber, was bisher nirgends hervorgehoben worden, nichtsweiter als eine Filiale des Geschäfts seines Vaters Samson Heine, der ja denHandel mit englischen Manufakturwaren stark betrieben und durch diese Filialevielleicht den Niedergang seines eigenen Geschäfts in Düsseldorf, der zu jener Zeitbereits unvermeidlich schien, aufhalten wollte. Ein bekannter, nun auch schon ver-storbener Hamburger Schriftsteller, M. M. Haarbleicher, schrieb über jene Periodean einen Freund folgendes: „Ich habe Heine noch als etablierten Kaufmann imenglischen Manufakturwarenfach gekannt. Er brachte den ganzen Tag im Alster-