60 Lehr- und Wanderjahre.
Freund, hier sitzt und zähletDir Papa den Brautschatz hin:
Wirf nun, was dich quälet,
Fröhlich weg aus Herz und Sinn!
Du sollst die Tochter haben,
Dich an ihrer Schönheit laben,
Schön und bieder ist sie ja;
D'rum zähl' nur immer fort, Papa!
Das Gedicht stand unter einem kolorierten Bilde, das leider nicht mehr erhaltenist. Letzteres zeigte in der Mitte einen Tisch? vor demselben fast ein alter Herr,welcher Geld zählte? vls-a-vis stand Arm in Arm das Brautpaar. Das Gedichttrug das Datum: Düsseldorf 1812 und die Unterschrift Heines. Dieses Erstlings-poem wurde von Heine als Hochzeitsgedicht Herrn David Rintelsohn aus Hamburggewidmet. Heine wohnte nämlich als 12jähriger Knabe der bei Elberfeld statt-gehabten Hochzeit David Rintelsohns, dessen Vater sein erster Lehrer in Düsseldorfgewesen ist, bei und brachte das Gedichtchen mit dem Bilde als Hochzeitsgeschenk mit.
Der kleine Vers zum Hochzeitstage der Eltern, der seit 1868 als das ältesteGedicht Heines gegolten hat und dessen Nachbildung nebenstehend ersichtlich, istspäter als Eigentum des Halberstädter Dichters Klamer Schmidt erkannt worden.Erst im Frühling des Jahres 1816 ging Heine nach Hamburg. Noch vorseiner Abreise dichtete er das Lied an einen seiner Jugendfreunde, Franzvon Zuccalmaglio, mit den Anfangsversen:
Es zieht mich nach Nordland ein goldner Stern?
Ade, mein Bruder! denk mein in der Fern'!
Der Freund möge der Poesie treu bleiben und „in der Brust, wie einen Hort,das liebe, schöne deutsche Wort" bewahren. Der „goldne Stern", der ihn nachdem Norden zog, war aber sicher nicht der Stern Merkurs, dessen er, wie wir ebengesehen, schon damals spottete, sondern der Stern der Liebe, welcher schon injenem Jahre über dem Leben des Dichters ausgegangen war, wie ich späternachweisen werde.
In Hamburg trat nun Heine in das Bankgeschäft von Heckscher öa Co. ein,welches im Jahre 1797 von seinem Oheim Solomon Heine mit dessen Geschäfts-freunde Heckscher begründet wurde und später noch die Herren Levin Hertz,Salomons Sohn Karl Heine und Jakob Oppenheimer als Teilnehmer hatte.
Er wohnte damals bei der Witwe Rodbertus, Eroste Bleichen 307, und wirbesitzen aus jener Zeit zwei höchst merkwürdige Briefe Heines an seinen Jugend-freund Christian Sethe, die Professor Hüffer in seinem liebenswürdigen undaufschlußreichen Buche über Heine (Berlin 1878, S. 21 ff.) zuerst mitgeteilt hat.Der erste ist vom 6. Juli, der zweite Brief vom 27. Ottober 1816 datiert. MitRecht wurde der zweite als eines der seltsamsten Dokumente bezeichnet, die aus