48 Die Millionenerbschaft.
Wie es heißt, soll der Notar mit der Vollmacht und allen Beweisstücken späterverschwunden sein.
Man kann sich denken, welchen Eindruck diese ganze Erbschastsgeschichte aus HarryHeine, der damals ein elfjähriger Knabe war, „ein hübscher Jung", wie FrauSarah aus Nymwegen schrieb, und alltäglich in das Lyceum lief, um dort beimRektor Schallmeyer deutschen Unterricht zu erhalten, gemacht hat. Wahrscheinlichfanden sich auch in den verloren gegangenen oder vernichteten Blättern seinerMemoiren Mitteilungen darüber. Es „klang dem Knaben immer wie ein Märchenaus Tausend und eine Nacht", wenn die Mutter von den Reichtümern der Familiein alter Zeit erzählte. Wahrscheinlich fällt die Erbschaftsgeschichte in jene Zeit, woBetty Heine für ihren Sohn eine glänzende Zukunft zu träumen begann, wie erselbst in seinen Memoiren erzählt: „Das Rothschildsche Haus, mit dessen Chef meinVater vertraut war, hatte zu jener Zeit seinen fabelhaften Flor bereits begonnen,-auch andere Fürsten der Bank und der Industrie hatten in unserer Nähe sich er-hoben, und meine Mutter behauptete, es habe jetzt die Stunde geschlagen, wo einbedeutender Kopf im merkantilischen Fache das Ungeheuerlichste erreichen und sichzum höchsten Gipfel der weltlichen Macht emporschwingen könnte. Sie beschloßdaher jetzt, daß ich eine Geldmacht werden sollte. . . ."
Es ist bekannt, daß Heinrich Heine eine „Geldmacht" nicht geworden ist.