Druckschrift 
Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
44
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44 Die Millionenerbschaft.

„Sobald ich werde vernehmen, daß Isaak Stern oder Peiere acceptiert sind als Erben, dannwerde ich für Pinchas auftreten; denn er ist ebenso nahe verwandt als diese, und werde Euchbenachrichtigen.... Die liebe Kinder zu grüßen, besonders Harryleben, er muß doch einhübscher Jung schon sein. Wenn ich gute Nachricht von die Jerusche bekomme, dann binich bald bei die liebe Familie. — Ich grüße Heine vielmals und hoffe, daß er gute Geschäftegemacht wird haben, und wenn er etwas Neues von München mitgebracht, so bitte mir solchesmitzuteilen. — Der Kongreß macht doch Verdienst für Juden und wird für Isaak und Juspaauch gut sein....

Deine treue Verwandte

Sarah Abraham."

Die sehr wichtige Advertensie über die in Rede stehende Erbschaft aus derAmsterdamer Zeitung hat folgenden Wortlaut;

„Moses Adolphus van Bueren ist in London verschieden, und da der Qualifikationsaktnoch nicht unterzeichnet worden ist, so haben sich die Beteiligten mit den nötigen Beweisen vor dem15. dieses entstehenden April zu wenden an das Bureau des Notars van Riet, auf dem Ziegelbei der Lynbaasteg Nr. 195 in Amsterdam."

Es folgt nun ein Brief der Geschwister Simon, Betty und Johanna van Geldernan ihren Onkel Pinchas Bock in Siegburg;

„Düsseldorf, den 23. April 1809.

Werter Herr Onkel Pinchas Bock in Siegburg!

Obschon wir einander nicht oft schreiben, so denke ich dennoch oft an Sie und suche IhrInteresse wahrzunehmen. Zum Beweise diene die Nachricht, welche ich eile, Ihnen mitzuteilen.Wie Sic aus beikommcndcm Brief ersehen werden, steht der Familie eine große Erbschaft ein-zunehmen bevor. Das Gespräch geht, als wenn sie sich auf 13 Millionen Gulden (sage dreizehnMillionen Gulden) belaufen soll. Das wäre wahrhaftig keine Bagatelle. Mir ist von demgenannten Erblasser nichts bekannt. Sollten Sie aber etwas davon besitzen, womit man auf-treten könnte, so hoffe, Sie werden alles aussuchen. Auch ich werde nähere Erkundigungen ein-ziehen und Ihnen mitteilen. Eine Reise nach Amsterdam wäre freilich das Dienlichste. Wasdünket Ihnen davon? Wenn Sie es willens sind, so melden Sie mirs, ich mache in Kompagnie.In Erwartung Ihrer Antwort, ob Sie was an Papieren und Dokumenten zur Legitimationgefunden haben, verharre ich niit Achtung

Ihr Vetter

van Geldern.

Ich konfirmiere meines Bruders Schreiben. Es ist wirklich wahr, daß die Erbschaft sich auf13 Millionen Gulden belaufen soll. Ein Hiesiger, welcher diese Woche von Amsterdam gekommenist, hat solches auch gesagt. Es haben sich sehr viele von der Familie Bock gemeldet. Jetzt wirdsich ausweisen, wer die nächsten sind. Ich meine, es wäre gut, wenn man einen nach Amsterdamschickte, um sich der Sache genau zu erkundigen. Was in England betrifft, werden wir allesbesorgen lassen, wozu wir, wie Ihr wißt, gute Gelegenheit haben. Ihr werdet wohl die Familie

Bock ein wenig kennen, damit sie uns legitimieren können.

Betty Heine.

Ich grüße vielmals die sämtliche Familie. Was wird das geben, wenn das Geld geteilt wird!

Eure getreue Verwandte Chane."

Die Schreiberin dieses letzten Postskriptums ist Johanna van Geldern, eineTante Heinrich Heines, die alte Jungfer geblieben und von deren Geschichten erWiederholt erzählt.