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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
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Charlotte Embden und Platen. 37

Er dichtete in jener Zeit viele Stammbuchverse, von denen manche gedruckt sind,andere sich in mündlicher Ueberlieferung forterhalten haben. Eins der eigenartigstenist sicher das, welches er seinem Freunde Friedrich Steinmann in Bonn in dessenAlbum einschrieb. Leider hat dieser Freund in späteren Jahren durch Indis-kretionen, ja sogar grobe Fälschungen das Andenken des Dichters entweiht. Esscheint, daß er die Mahnungen des Freundes allzu wörtlich aufgefaßt und allzutreu besorgt hat. Auch um die Aufdeckung dieser Fälschungen von Briefen undGedichten Heines hat sich Charlotte ein nicht geringes Verdienst erworben.

Wenn Frau Charlotte in ihrem stattlichen, in altpatrizischer Weise vornehm aus-gestatteten Zimmer in ihrem Lehnstuhle sitzend den Erinnerungen ihrer Jugendnachgeht, dann ist es vor allem jener Triumphzug, den sie auf einer Badereise inden zwanziger Jahren nach dem Rhein und Süddeutschland gemacht hat, vonwelchem sie mit besonderer Vorliebe und mit wahrem Eifer erzählt. Zunächst gabsie bei Jmmermann einen Empfehlungsbrief ihres Bruders ab. Jmmermann stelltesie seinen Gästen nur als Madame Embden aus Hamburg vor, aber im Verlaufedes Gespräches hielt er es nicht länger aus und sagte es allen, daß diese Fraudie Schwester Heines sei, und nun war des Jubels kein Ende. In Frankfurt a. M.gab Rothschild ihr zu Ehren eine große Abendgesellschaft. Alle waren schon ver-sammelt, als die mit Spannung Erwartete ankam. Der Diener riß die Thür aufund rief mit Stentorstimme, da er ihren Namen vergessen hatte, in den Saalhinein: „Madame, die Schwester Heines!" Die interessanteste war aberunstreitig jene Bekanntschaft, welche Charlotte Embden in Göttingen machte. Dortlernte sie den Grafen August von Platen kennen. Aber vorsichtig umging sie alleFragen nach ihrer Familie, weil sie glaubte, der Name Heine würde bei demDichter keine angenehmen Erinnerungen erwecken. Platen war von ihrer Liebens-würdigkeit entzückt und besuchte sie in ihrem Hause. Als er ihr aber beim Abschiedehrerbietig die Hand küßte, sagte er: „Gnädige Frau, wollen Sie mir eine Fragebeantworten? Haben Sie je die Bibel gelesen?"

Frau Charlotte sah ihn erstaunt an und wußte nicht, was sie antworten sollte.

„Kennen Sie, meine Gnädige", fuhr der Dichter fort, „die Stelle in der HeiligenSchrift: >Bin ich der Hüter meines Bruders«? Seien Sie meiner höchsten Achtungversichert, und genehmigen Sie die aufrichtigsten Wünsche für Ihr Wohl. Mögendie Bäder von Schwalbach Ihnen Genesung bringen."

Charlotte blieb stumm. Als sie ihrem Bruder diese Szene erzählte, wurde Heineernstlich böse und sagte zu ihr: „Aber, liebes Lottchen, Du hast doch sonst dieZunge am rechten Fleck, wie konntest Du nur schweigen und nicht die Gelegenheitbenutzen, ihm sein Unrecht hernach vorzuhalten?" Die Fürstin della Rocca berichtet,daß Heine zum ersten Male damals seiner Schwester böse war, daß sie ihn aber