Die Jugendjahre. ZZ
Bällen in Düsseldorf die allen jungen Männern den Kopf verdrehte und dasHerz schwer machte. Als die Eltern Düsseldorf verließen, war es ihre erste Sorge,Charlotte zu verheiraten. Wenn ich recht unterrichtet bin, war es Heinrich Heineselbst, der bei seinem Ausenthalt in Hamburg die Bekanntschaft von Moritz Embdenmachte und mit diesem fortwährend von seiner kleinen Schwester sprach. Embdenwar neugierig und wollte das schöne, merkwürdige Mädchen kennen lernen. Alser sie sah, hatte er auch bereits sein Herz verloren,- sie wurde seine Gattin, unddas Hochzeitsgedicht, welches Heine seiner Schwester bei der Vermählung am22. Juni 1823 aus dem Zollenspieker zwischen Lüneburg und Hamburg machte,soll alle Festgenossen entzückt haben. Er selbst schrieb an Moses Moser: „Es warein schöner Tag bei Festlichkeit und Eintracht. Das Essen war gut, die Bettenwaren schlecht, und mein Oheim Salomon war sehr vergnügt".
Als Charlotte von ihrem Bruder Abschied nahm, riet er ihr, die Verse ihresGatten denn Moritz Embden versuchte sich in den Mußestunden, die ihm seinkaufmännischer Berus ließ, auch als Dichter - nur ja recht eifrig zu loben, dennsonst könnte das Unterlassen leicht eine Uneinigkeit in der Ehe hervorrufen. Im„Buch der Lieder" findet sich auch ein hübsches Gedicht, welches diesen Rat anseine Schwester wiederholt:
„Und lobst du meine Verse nicht,
Laß ich mich von dir scheiden".
Die geistige Entwickelung Heines und seinen wachsenden Dichterruhm verfolgteCharlotte mit der innigsten und lebhaftesten Teilnahme. War sie früher seineliebevolle Gespielin, so wurde sie nun auch die aufmerksame, teilnehmende und rat-gebende Freundin ihres Bruders, an die er sich in allen seinen Lebensnöten wendendurste. Zwischen ihm und seiner Schwester gab es keine Entfremdung, wie oft erauch mit den Brüdern und manchmal sogar mit dem Schwager in Zank und Streitgeraten mochte. Immer war Charlotte die treue und liebenswürdige Vermittlerin,die entweder des reichen Oheims Zorn zu besänftigen oder des Dichters Launenzu beschwichtigen hatte.
Und kein schöneres Zeugnis für dessen gemütstiefe Bruderliebe besitzen wir alsdas Blatt, welches er 1819 vor dem Abgang zur Universität in das Albumseiner Schwester eingeschrieben:
„Wir können die Menschen füglich in zwei Klassen einteilen: erstens diejenigen, die uns lieben,zweitens diejenigen, die uns oft und deutlich sagen, daß sie uns lieben.
Mich, liebes Lottchen, kannst Du dreist zur ersten Klasse rechnen. Ich bin Dir herzlich gut,wenn ich auch nicht viel Aufhebens davon mache.
Dein Bruder
Harry Heine."
Diese Zeilen schrieb Heine seiner Schwester ins Album, als er nach Bonn ging.