Heymann Heine. 11
Monotonie vorsingen, während sie die bei den schottischen Barden obligate Dudel-sackbegleitung durch das Schnarren ihrer Nasen ersetzten. Nur über die großenKämpen des mütterlichen Clans konnte von dieser Seite mein junges Gemüt früheEindrücke empfangen, und ich horchte mit Andacht, wenn die alte Bräunle oderBrunhildis erzählte. Mein Vater selbst war sehr einsilbiger Natur, sprach nichtgern, und als ein kleines Bübchen, zur Zeit, wo ich die Werkeltage in der ödenFranziskaner-Klosterschule, jedoch die Sonntage zu Hause zubrachte, nahm ich hiereine Gelegenheit war, meinen Vater zu befragen, wer mein Großvater gewesen sei.Auf diese Frage antwortete er halb lächelnd, halb unwirsch: »Dein Großvater warein kleiner Jude und hatte einen großen Bartt . Heine erzählt dann noch, welchePrügel er vom Lehrer empfangen, als er tags darauf unter seinen kleinenKameraden in der Schule durch die Mitteilung, daß sein Großvater ein kleinerJude gewesen, welcher einen großen Bart gehabt, eine förmliche Revolution erregthabe. „Gesottene Katze scheut den kochenden Kessel", sagt das Sprichwort, und dieErinnerung an jene ersten Prügel hat Heine nie verlassen. Er empfand deshalbauch später keine große Neigung, „nähere Auskunft über jenen bedenklichen Groß-vater und seinen Stammbaum zu erhalten oder gar dem großen Publikum, wieeinst dem kleinen, dahin bezügliche Mitteilungen zu machen". Das ist alles, waswir von Heine selbst über seinen Großvater Heymann Heine erfahren.
Heymann Heine hieß eigentlich Chajj im Bückeburg. Die Juden hattendamals noch keinen Familiennamen, sondern pflegten sich nach ihrem Geburts-oder Wohnort zu nennen. Es ist zwar nachgewiesen, daß schon 1334 ein Judein Straßburg den Namen Heyne geführt habe, aber es ist kaum nachzuweisen,wann und aus welchem Grunde die Familie des Dichters diesen Namen angenommen hat.
Es dürste aber sicher selbst für weitere Kreise als die der Heinegemeinde vonnicht gewöhnlichem Interesse sein, über den Ursprung dieses verbreiteten Namensdie sehr interessanten und dankenswerten Aufklärungen zu vernehmen, die derberühmte Lexikograph Prof. Moritz Heyne in Göttingen mir in dem nach-folgenden Schreiben darüber gegeben hat:
Hochgeehrter Herr!
Die Formen Heine, Hein, schweizerisch auch Heini, sind Koseformen des Namens Heinrichund stehen neben ähnlicher Koseform Heinz wie Kühne und Kunze, althochdeutsch Kuono undKnonzo, zu dem Namen Konrad, althochdeutsch Kuonrat. Heine, Hein, Heinze (und auch Hinze)sind als oft gebrauchte und namentlich auch für niedrige Gesellschastsschichten verwendete Eigen-namen appellativ geworden, im Sinne von Bursch, Kerl, schweizerisch Bauer: Heinz (Hinz)oder Kunz gleich der und jener: Freund Hein, Gevatter Hein, Bezeichnung eines nicht näherGenannten, wie Dingsda: