192 Börne und Consorten.
Silber, als er. der kleine Tambour-Maitre, mit seinem ganzenVermögen bezahlen kannte, ob der Geschicklichkeit, mit der ich dengroßen Stock balancire, ob der Liebesblicke, die mir die jungenDirnen zuwerfen, und die ich nielleicht mit etwas Koketterie er-widere,"
Heine geht in seiner Rache an dem Tobten noch weiter:er schildert von 243 bis 246 die sogenannte Madame Pohl,die nach einem langen Verhältniß mit Börne einen jungenFrankfurter Kaufmann heirathete, wonach Börne und dies Ehe-paar in Gemeinschaft lebte u, s. w. Nachdem Heine diese vonihm zweideutig genannte Dame noch viel zweideutiger aufdrei Seiten geschildert, holt er auf einmal die sehr bestaubteund beschädigte, aus dem Leim gegangene Lyra sittlicherEntrüstung von der Wand herunter, greift in die schlottern-den, sehr unharmonisch gestimmten Saiten und singt verwegenenMuthes folgendes Lied:
S, 247:
„Ich hoffe, es wird niemand mißdeuten, weßhalb ich obigeParticularitäten aus Börnes Leben hervorhebe, Siesollen nur zeigen, daß es noch ganz besondere Mißstände gab, diemir geboten, mich von ihm entfernt zu halten. Das ganzeReinlichkeitsgefühl (!) meiner Seele sträubte sich in mir beidem Gedanken, mit seiner nächsten Umgebung in die mindesteBerührung zu gerathen. «soll ich die Wahrheit gestehen, so sahich in Börnes Haushalt eine Jmmoralität, die michanwidert e,"
Während Heine diese sittliche Entrüstung (bei welcherer in Anbetracht seines eigenen Gebarens sich in einen förm-lichen Sittlichkeits- und Tugend-Enthusiasmus hineinarbeitenmußte) niederschrieb, mochte er bei seiner sonstigen, reichausgestatteten Phantasie sich das Lächeln vorstellen, welches dieLektüre dieser Entrüstung im Gesichte des Lesers mehr oderminder faltenreich hervorrufen mußte. Da nahm er nun daskalte Bügeleisen der Entschuldigung zur Hand und suchte diesichtbaren Zeichen dieses Lächelns auszuglätten:
„Dieses Geständniß mag befremdlich klingen im Munde einesMannes, der nie in das Zelotengeschrei sogenannter Sittenpredigereinstimmte, und selber hinlänglich von ihnen verketzert wurde.Verdiente ich wirklich diese Verketzerung? Nach tiefster Selbst-prüfung kann ich mir das Zeugniß geben, daß niemals meineGedanken und Handlungen in Widerspruch gerathen mit der Moral