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Heinrich Heine
Entstehung
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644
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g44 XXIII, Der Kcimpf um Heiue

heit und Tiefe der Empfindung gegeneinander abwägen, aber an derTatsache ist nicht zu rütteln, daß Heines Lieder populärer und ver-breiteter sind als die irgendeines andern Dichters, selbst die Goethes.

Auch dafür gibt es eine billige Erklärung: er hatte ebendas Glück, daß er nach unfern großen Lyrikern, nach Goethe,Wilhelm Müller, Brentano, Eichendorff lebte, und als geschickterAusnutzer hat er sich die besten Rosinen aus dem Kuchen derVorgänger zusammengesucht. Gewiß hat Heine die altern Dichtergekannt und hat ihnen manches entnommen, aber wenn man esmit dem vergleicht, was Shakespeare, Molisre und Calderon ihrenVorläufern schulden, so sind Heines Entlehnungen außerordentlichgering. Entlehnen läßt sich überhaupt nur das Stoffliche, allen-falls kann ein Dichter dem andern ein Paar technische Handgriffeabgucken, aber weder in dem einem noch in den andern bestehtdas Wesen der Poesie. Heines Volkstümlichkeit beruht auf seinerStimmung, und diese Stimmung befähigte ihn, die Einheit zwischenGesang und Wort in einer Weise zu erreichen wie kein Dichtervor oder nach ihm. Das Volk will eine Lyrik, die es singen kann,und die hat ihm Heine gegeben. Es fragt nicht danach, ob derVerfasser dieser Lieder ein Jude ist, fondern es singt sie und ver-gißt darüber die Person des Dichters. Auch seine Verbreitung imAusland verdankt Heine in erster Linie seiner Sangbarkeit. DieRomanen schätzen ihn höher als die Germanen, weil sie in ihrenSprachen eine sangbare Lyrik nicht mehr besitzen und sie vomAusland beziehen müssen. Die Schubert, Schumann, Methfessel,und wie die Komponisten alle heißen, haben viel für Heine getan,aber man darf es nicht so darstellen, als ob er nur der Verfasserbrauchbarer Texte fei und als ob ihm die Musik erst eine überseine Dichtung hinausgehende Bedeutung verliehen habe. DasGegenteil ist richtig. Die Tonsetzer müssen ihm dankbar sein, denner hat der deutschen Sprache die Schmiegsamkeit und Ausdrncks-fähigkeit gegeben, daß der Klang sich mit dem Laute vereinigen kann.

Im Lied lebt der Dichter und wird er leben, und dort schweigtder Kampf um Heine.