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XXI. Letztes Schaffen
auswuchsen. Die bedeutsamste und größte Abhandlung unter den„Vermischten Schriften" bildet die „Lutetia", die schon an andrerStelle besprochenen Berichte, die Heine 1840/43 der „AllgemeinenZeitung" lieferte. Es kostete dem kranken Dichter unsägliche Mühe,die von der Zensur und der Stuttgarter Schriftleitung verstüm-melten Artikel in ihrem ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.Teilweise wurden die Ausführungen auch erweitert und mit neuenZusätzen versehen; im ganzen blieb aber der Charakter erhalten,den sie bei ihrem ersten periodischen Erscheinen hatten.
> Ein bedeutsames Lebensdokument für den Heine der letztenLebensjahre sind dagegen die „Geständnisse". Heine hat in vielenseiner Schriften Einzelheiten aus seinem Leben berichtet, ja seinePerson mit starker Selbstgefälligkeit in den Vordergrund gestellt.Es war ja auch etwas Unerhörtes, daß ein Mann jüdischer Ab-stammung zu einem der ersten Dichter und unbestritten zum erstenSchriftsteller Deutschlands emporstieg. Im Bewußtsein dieses ihmselbst erstaunlichen Erfolges konnte er bei Ausbruch seiner Krank-heit mit Recht Trost in dem Gedanken finden, daß er ein „schönesLeben" geführt habe. Aber in den einsamen Stunden der langenLeidensjahre kamen die Zweifel über ihn. Stand seine sachlicheWirksamkeit im richtigen Verhältnis zu dem persönlichen Erfolg?Würde er dauernde Spuren in der Geschichte hinterlassen? DerDichter wurde sich selbst historisch. Seit Jahr und Tag bereiteteer eine Gesamtausgabe seiner Werke vor, in dem richtigen Gefühl,daß unabhängig von der Dauer seiner Tage seine Wirksamkeit ab-geschlossen sei und ihr Ziel erreicht habe. Er wollte seine literar-historische Stellung und die Rolle, die er im deutschen, ja europäischenGeistesleben gespielt hatte, festlegen. Das glaubte der Sterbendesich selber schuldig zu sein. In weitesten Kreisen wurde dies Be-dürfnis geteilt. Hebbel, kein unbedingter Verehrer des Dichters,schrieb ihm damals: „Wie sehr habe ich die schon so oft in Aus-sicht gestellte Gesamtausgabe Ihrer Werke vermißt. . . Sie müssendurchaus im ganzen und großen aufgefaßt werden, wenn Sie nichtbald zu spitzig erscheinen, bald in Nebel und Dunst zerfließen sollen,