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Heinrich Heine
Entstehung
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XXI, Letztes Schaffen

vollen, schlaflosen Nächten, in denen sich der Unglückliche auf seinemSchmerzenlager wand, versagte selbst der Trost der Kunst. SeinAuge kehrte sich dann nach oben,

als wenn darüber war'ein Ohr, zu hören meine Klage,ein HerZ, wie meins,sich des Bedrängten zu erbarmen.

Der Dichter konnte es in seiner Not nicht aushalten ohne dasBewußtsein, daß über oder neben ihm ein Wesen wache, das ihmMitleid erweise und seine Schmerzen stillen könne. Hätte eineMutter oder eine Frau voll Verständnis und Erbarmen an seinemBett gesessen, so hätte er den Weg zu Gott vermutlich nie gesuchtund nie zu suchen brauchen. Ihre Liebe hätte ihm genügt, hätte ihmTrost gespendet. Die Angst vor dem Jenseits, vor dem Schicksal nachdem Tode spielt in Heines Bekehrung eine sehr untergeordnete Rolle,obgleich auch sie gelegentlich zum Durchbruch kam, das Hauptmotivbildete die Hilflosigkeit und die furchtbare Verlassenheit des Kranken,Wenn er sich unter den grausigen Schmerzen wand, wenn er wie einfiebergeschütteltes Kind die Arme ausstreckte und um Liebe und Beistandflehte, dann stand die bezahlte Wärterin an seineni Lager, dann war keineFrau, keine Mutter da, um ihn an ihrer Brust zu bergen, aber endlichertönte eine Stimme von oben:Siehe, ich bin bei dir!"

Das war das Wort, das er hören mußte, die Kunde, die dieserKranke brauchte, der mit der Hilflosigkeit wieder die Seele einesKindes erworben hatte. Das wenige an religiösen Vorstellungen er-wachte, das er überhaupt in seinem Leben aufgenommen hatte. Heineglaubte mit dem Glauben eines Kindes, und insofern hatte er recht,daß sein Deismus durch keine kirchliche Auffassung getrübt wurde,aber er glaubte doch in den ihm allein geläufigen Formen undBildern, und das waren die des Judentums, eines uutheologischenJudentums, wie er es vor bald einem halben Jahrhundert inDüsseldorf erlernt hatte. Er suchte den Glauben seiner Kindheit,Wäre dieser katholisch gewesen, so hätte er mit Brentano ein Kreuzgeschlagen, da er jüdisch war, so betete er zu dem Gott Abrahams,