552 XX. Der Zusammenbruch
Eid schwören lassen mors m uj oruin — nein, das hält er nicht aus, under bittet mich um Gotteswillen aufzuhören — ehe ich noch den Prozeßverloren habe." Heine wollte den Vetter sofort durch die „Presseängstigen" und ihm die Daumenschrauben der Öffentlichkeit anlegen.
Seine sämtlichen Freunde dagegen rieten zur Mäßigung undVerständigung. Der Dichter gab ihnen nach und nahm noch-mals durch Campe die Vermittlung des vr. Halle in Anspruch,den er noch für den besten, zum mindesten den klügsten von derganzen Gesellschaft hielt. Karl Heine blieb unnachgiebig und lehntealle Verständigungsversuche hartnäckig ab. Campe, Varnhagen,Fürst Pückler, selbst der Pariser Rothschild, dessen Autorität derkleinere Millionär in Hamburg vielleicht am ehesten anerkannte,setzten sich vergeblich für den Dichter ein; der Gegner blieb dabei,daß er bittre Klage gegen H. Heine zu führen und briefliche Be-weise in den Händen habe, die ihn nötigten, in seiner Handlungs-weise zu beharren. Heine selbst war bereit, einen ehrenwörtlichenRevers auszustellen, daß er niemals eine Zeile gegen ein Mitgliedseiner Familie schreiben werde, er beabsichtigte sogar zu Beginndes Jahres 1846 nach Hamburg zu reisen, um durch eine Aus-sprache die häßliche Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Erwandte sich deshalb an Rothschild und an den ihm stets Wohlgesinnten Alexander von Humboldt, um durch ihren Einfluß dieZusicherung der preußischen Regierung zu erhalten, daß sie seinerReise keine Schwierigkeiten bereiten werde. Zugleich wollte er seinenehemaligen Bonner Kommilitonen, den berühmten Chirurgen Dieffen-bach in Berlin, konsultieren. Obgleich Humboldt in diplomatischerWeise diesen Grund allein geltend machte und der König selbst dieBitte gern gewährt hätte, lehnte der Minister von Bodelschwinghdas Gesuch ab. Da Heine unter Anklage wegen Majestätsbeleidi-gung und Aufreizung zur Unzufriedenheit stand, wäre es selbst beigutem Willen schwer gewesen, „die alte Registratur mit einer Rubrikfür exzeptionelle Zeitgenossen zu bereichern", wie er verlangte. Hum-boldt bat ihn dringend, „den preußischen Boden nicht zu berühren".Die Reise nach Hamburg mußte unterbleiben, da die Gesundheit