Der Erbschaftsstreit
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gewöhnt bin und mich übrigens alsdann in den Purpurmantelmeines Ruhmes verhüllen kann". Auch wir kennen diese Vorgängenicht. Da die ganze Familie durch sie bloßgestellt wurde, hattejedes Mitglied Anlaß zu schweigen und jeden andern, der vielleichtgesprächiger war, zum Schweigen zu bringen.
Der Dichter besaß Aufzeichnungen, die bis in seine HamburgerJugendtage zurückreichten. Schon 1823 hören wir, daß er an seinen„Memoiren" arbeitet mit der ausgesprochenen Absicht, den Ham-burger Menschentroß zu schildern, von denen er, wie er schrieb,einige liebte, mehrere haßte und die meisten verachtete. Onkel Salo-mon war unter denen, die gut wegkamen. Diese Memoiren hatteHeine fortgeführt, zwar nicht als regelmäßige Tagebücher, aber wenner sie auch oft jahrelang liegen ließ, so bildeten sie doch ein einheit-liches Ganze, „das Resultat meiner kostspieligsten und schmerzlichstenStudien, das Buch, das man ganz eigens von mir erwartet".1840 war so viel davon fertig, daß er an Campe schreiben konnte:„Selbst wenn ich heute stürbe, so blieben doch schon vier BändeLebensbeschreibungen oder Memoiren von mir übrig." Die Familiewußte um diese Aufzeichnungen, sie fürchtete sie und hatte Grund,sie zu fürchten, denn der Dichter hat später selber einen Teil dieserMemoiren vernichtet, weil er besorgte, durch ihre Veröffentlichung sichoder seiner Witwe die Gunst und die Rente Karl Heines zu verscherzen.
In den Besitz dieser kompromittierenden Blätter wollte derHamburger Vetter sich setzen; es unterliegt keinem Zweifel, daß ihmdieses Ziel in dem Erbschaftsstreit von Anfang an vorschwebte.Nur dadurch erklärt sich sein Verhalten. An den paar tausendFranken konnte dem vielfachen Millionär nichts liegen und lag ihmnichts. Er war kein kleinlicher Geizhals und tatsächlich zahlte erdem Dichter seine Pension in all diesen Kampfjahren weiter. Eskam ihm nicht auf das Geld an. Auch die schriftliche Erklärung,zu der Heine bereit war, daß er niemals etwas gegen seine Familieschreiben werde, genügte dem Millionär nicht, weil sie ihm keineSicherheit bot, daß die schon geschriebenen Memoieren nicht beiLebzeiten oder nach dem Tode des Verfassers in Hände fallen
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