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XIX. Deutschland
Kolb schrieb, zu seiner eignen Überraschung plötzlich „renoviert".Viele von diesen „Zeitgedichten" wurden schon 1844 in den „NeuenGedichten" zusammengestellt, andere später in die „VermischtenSchriften" aufgenommen, manche wurden in deutschen Zeitschriften ge-druckt und nicht wenige behielt der Verfasser zurück, so daß sie erst ausseinem Nachlaß publiziert wurden. Die Elstersche Heineausgabe gibtauf diese Fragen genau Auskunft, für uns kommen diese Einzelheitennicht in Betracht, sondern es ist nur von Wichtigkeit, daß die politischeLyrik des Dichters etwa gleichzeitig mit dem „Atta Troll" beginnt.
Das kleine Epos hatte ihm gezeigt, daß er in seiner Poesieeine schärfere satirische Waffe besaß als in seiner Prosa, undes lockte ihn, dieses spitzige Florett mit der tödlichen Treffsicher-heit zu handhaben, die seiner Satire eigen war; sei es um einenverhaßten Gegner zu erlegen, sei es zu spotten um des Spotteswillen. Heine besaß in seinem Witz eine furchtbare Waffe,wie kein moderner Dichter außer Voltaire und Molisre. Aberwenn seine Freunde dem Verfasser des „Tartuffe" nachrühmten,daß er seinen Spott nie mißbraucht habe, so wird der deutscheDichter auf dieses Lob verzichten müssen. Er hat seine geistigeÜberlegenheit in rücksichtslosester Weise ausgenutzt, nicht um einerSache zu dienen, sondern um seine Laune an Personen auszulassen,die ihm gerade aus irgendeinem Grunde lächerlich erschienen. Wasin seinen Gesichtskreis kommt, wird verhöhnt, die Tendenzdichterwie Dingelstedt und Herwegh, die Könige Ludwig I. und FriedrichWilhelm IV., der Theologe Paulus und der Philosoph Schelling,die Komponisten Meyerbeer und Richard Wagner, die Juden wiedie Christen, die Liberalen und Republikaner wie die Reaktionäre,die Freiheitsmänner und Flottenschwärmer wie die Servilen. Obdie Leute dichten oder philosophieren, ob sie für ihre Freiheitkämpfen oder sich unterwerfen, ob sie musizieren oder Schiffe bauen,alles erscheint Heine gleich lächerlich. Es gibt nichts, was er schont,nichts, was er achtet oder ernst nimmt. Sein Gemüt ist wie einHohlspiegel, der, mag er wollen oder nicht, jede Erscheinung verzerrtwiedergibt. Die Verzerrungen sind außerordentlich witzig, man lacht