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XVII, Novellistik
Maximilian und die sterbende Maria, ungehindert in das Traum-land der Romantik hinübergleiten können. In der ersten Nachterzählt der junge Mann zunächst von seiner Jugend, aus der Zeit,da er ein „sehr eifriger Kirchengänger" war und sein „Gemüt sichin die Mystik des Katholizismus versenkte". Natürlich liebte erdamals. Er liebte mit der ganzen Inbrunst der überreizten Sinne,wie die Romantiker lieben, und er liebte, was nur sie lieben, eineMarmorgöttin, die kleine Very, die schon seit sieben Jahren totwar, und ein Gemälde, das ihm nur im Traum erscheint. Mariahegt zwar „kein banales Vorurteil" gegen Träume, aber selbst dieSterbende kann den Spott über diese Fülle der Irrealität nichtunterdrücken. Maximilian kehrt in die Wirklichkeit zurück, d. h. zudem, was den Romantikern Wirklichkeit ist, zur Kunst, und zwarzur Musik, die sie alle, Tieck, Eichendorff, Hoffmanu, als höchsteKunst priesen, als die von aller Erdenschwere befreite Stimmungdes Gemütes. Er erzählt zunächst einiges aus seinem Verkehr mitdem Komponisten Bellini, um daran eine meisterhafte Schilderungdes Paganinischen Geigenspieles zu knüpfen. Elster vergleicht siemit Wagners berühmter Umschreibung der Beethovenschen „Eroica",ja stellt sie noch darüber. Näher liegt es, an E. Th. A. Hoffmannspoetische Reproduktion des „Don Juan" zu denken, die Heine viel-leicht die Anregung zu dem Versuch gab, den Zauber der Tönedurch das Wort wiederzugeben. Er selbst war, um seinen eignenAusdruck zu gebrauchen, einer der „Menschen, denen die Töne nurunsichtbare Signaturen sind, worin sie Farben und Gestalten hören".Diese Synästhesie, dieses Zusammenwirken und Ineinanderfließender verschiedenen Sinne ist eine Eigenschaft aller hochgradig reiz-baren Naturen. Sie empfinden das Körperliche geistig, das Geistigekörperlich; das Gehörte wirkt nicht nur auf ihr Ohr, sondern auchauf das Auge, der Anblick nicht nur auf den Sehnerv, sondernso lebhaft, daß er als Gefühl und Geruch genossen wird. Wasdie Geige Paganinis tönt, das schaut der Dichter, eine Welt, inder sich das Grausigste und Herrlichste verbindet, eine Welt desEntsetzens und der höchsten Schönheit: „Eine unnennbare heilige