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XVI. Häusliche Sorgen
Wertvoller als die Bemerkungen zu den einzelnen Stücken sinddie Einleitung und das Nachwort. Zwar was Heine über die histo-rische Stellung Shakespeares und über seine Kunst sagst geht, ab-gesehen von einigen Saint-Simonistischen Gedanken, nicht über dashinaus, was er in den damaligen Kommentaren fand oder in denVorlesungen Schlegels gehört hatte. Bedeutsam dagegen sind seineAusführungen über das Wesen des poetischen Schaffens im allgemeinen.Die Auffassung, die der Dichter von der Ausübung feiner Kunst hat,gibt dem Historiker den Schlüssel, wie er ihn selber aufzufassen hat.Unter Dichten versteht Heine ähnlich wie in den „FranzösischenMalern" jenen „wunderbaren Prozeß der Weltergänzung", der sichin der Seele des Künstlers vollzieht. „Wie der Mathematiker, wennmau ihm nur das kleinste Fragment eines Kreises gibt, unverzüg-lich den ganzen Kreis und den Mittelpunkt desselben angeben kann:so auch der Dichter, wenn seiner Anschauung nur das kleinste Bruch-stück der Erscheinungswelt von außen geboten wird, offenbart sichihm gleich der ganze universelle Zusammenhang dieses Bruchstücks;er kennt gleichsam Zirkulatur und Zentrum aller Dinge; er begreistdie Dinge in ihrem weitesten Umfang und tiefsten Mittelpunkt."Der Dichter setzt das Zufällige mit dem Ewigen, das Einzelne mitdem Ganzen in Verbindung, aber das geschieht nicht, indem er dieNatur nachahmt, sondern indem er das Bild der Natur reprodu-zierst das seinem Geiste eingeboren ist. Die Erscheinungswelt selbstspielt sür ihn eine untergeordnete Rolle; das äußere Ereignis —wie die heutige Theorie sagen würde: das Erlebnis — bedingt die„innere Offenbarung" und gibt den Anstoß zu ihrer Entfaltung,aber es bildet nicht das Wesen des Kunstwerkes, noch weniger dessenErklärung. Heine lehnt die Erlebnistheorie ab, die zwar damalsnoch nicht ihre heutige Ausprägung durch Dilthey empfangen hatte,sich aber aus der Auffassung der Romantiker von selber ergab.Er weist darauf hin, daß die Größe der äußeren Ereignisse inkeinem Verhältnisse steht zu der Größe der Schöpfungen, die da-durch hervorgerufen werden. „Jene Ereignisse können sehr klein undscheinlos sein und sind es gewöhnlich, wie das äußere Leben der