Mathilde
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meist nach den Angaben Meißners und Laubes viel zu günstigbeurteilt, wahrend die Schilderung A. Weils, der doch einen besserenEinblick in den Haushalt hatte, zumeist als Klatsch beiseite ge-schoben wird. Was er erzählt, mag Klatsch und Schmutz sein, aberdas beweist nicht, daß der Schmutz nicht der Wahrheit entspräche.
Mathilde beherrschte ihren Mann durch ihren Körper. Sie wareine kalte, unsinnliche, er eine heiße, sinnliche Natur. Daraus be-ruhte ihre Überlegenheit, sie blieb trotz des langjährigen Zusammen-lebens der gewährende, er der verlangende Teil. Diese Rollen-verteilung beruhte nicht auf ihrer Koketterie. Das Pariser Laden-mädchen war keine Kleopatra, die einen Antonius durch ihre Un-widerstehlichkeit zu Fall brachte, sondern es war durch die Naturgegeben, durch das rein animalische Verhältnis der Geschlechter.Nicht durch Mathildens Schuld, aber doch durch Mathilde ist Heinegesunken. Für einen Mann, der „stolz und sehr geistreich" war, mußes ein furchtbares Gefühl gewesen sein, zunächst in den Augen-blicken heißer Sinnenlust, allmählich aber dauernd zu einem Weibwie Mathilde herabzusinken. Wir ahnen etwas von der Größe seinerLeiden, wenn er später dem Bruder Max schreibt: „Seit acht Jahrenliebe ich sie mit einer Zärtlichkeit und Leidenschaft, die ans Fabel-hafte grenzt. Ich habe seitdem schrecklich viel Glück genossen,Qual und Seligkeit in entsetzlicher Mischung, mehr als meinesensible Natur ertragen konnte." Heine rang mit diesem schönenKörper. In dem Augenblick der höchsten Lust glaubte er, ihmeine Seele einzuhauchen, in ruhigen Stunden lief die Frau nebenihm her, eine Grisette ohne Geist und Empfindung. Ihre kind-lichen Späße und ihr munteres Geplauder mochten ihn eine Zeit-lang unterhalten; auf die Dauer gingen sie ihm auf die Nervenwie das Kreischen ihres Papageis, den er einmal in einer Auf-wallung des Unmutes erwürgte. Freilich um am nächsten Tageinen neuen zu kaufen. Das Zusammenleben mit einer Frau, dieihm nichts als ihren Körper zu bieten hatte, war ihm in klarenAugenblicken unleidlich. Ihre zeitweilige Abwesenheit, obgleich siedurch Krankheit verursacht war, betrachtete er als ein freudiges