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Heinrich Heine
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XV, Kämpfe

nützte ihm daher nichts, sondern öffnete eher dem Publikum dieAugen, daß er kein politischer Führer war, daß man in den großenpolitischen Fragen von Heine nichts zu erwarten hatte.

Seine Schriften wurden zwar eifrig gelesen. In dem meist rechtgereizten Briefwechsel mit Campe konnte er darauf hinweisen, daß erdessen einziger „Klassiker" sei und daß viele seiner Werke neue Auflagenbenötigten; aber man las sie als amüsante Lektüre und als Dich-tungen, nicht wegen ihres politischen Gehaltes. Vergebens betonteer, sogar unter Mißbrauch Dantescher Worte, die Bitterkeit seinesExiles, es glaubte niemand daran. Berichte aus lautern und un-lautern Quellen schilderten sein Leben in ganz andern Farben alsin dem düstern Grau der Verbannung. Der Dichter kam in denRuf eines Poseurs. Er hatte das Amt des Volkstribunen so ge-räuschvoll übernommen, daß man etwas ganz Besonderes von ihmerwartete, er hatte seine Person dabei so in den Vordergrund ge-drängt, daß er seine Macht nur bewahren konnte, wenn er neuereund stärkere persönliche Reize bot. Als sie ausblieben und als derdritte Salonband gar nur „zahme" unpolitische Stücke brachte,enttäuschte er allgemein. Novellen konnte zum Schluß jeder Autor,folkloristische Studien jeder Professor in Deutschland schreiben. EinMann, der sich als politischer Flüchtling aufwarf, mußte mehr bieten,Dinge, die zu Hause nicht gesagt werden durften. Der Eindruck ent-stand, daß Heine sich überlebt habe, daß seine Rolle ausgespielt sei.

Arnold Rüge gab dieser Stimmung Ausdruck. Der Aufsatzdieses geistvollen Republikaners und Hegelianers ist wohl dasBeste, was von einem Zeitgenossen über Heine geschrieben ist. Erist nicht gehässig, er erkennt die Verdienste des Dichters unddes Volksmanns voll an, aber er zeigt, daß die Zeiten ernst ge-worden seien und daß es nicht mehr angehe, den Politiker mitder Pritsche und Schellenkappe zu spielen. Der Freiheitskampf müssejetzt mit männlicher Entschlossenheit geführt werden, sein Wesenhabe sich verändert, Heine aber sei der Alte geblieben. Die neuenIdeale seien nicht die seinen, die Ideale seiner Jugend habe er ver-loren. Es sei nichts von ihm übrig als die „interessante Persön-