Die Deutschen in Paris
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Die Beschwerlichkeit der Reise nahm das wenig verwöhnte Geschlechtvon damals gern in den Kauf, wenn es galt, zu lernen und sichzu bilden. Alexander v. Humboldt, Hebbel, Grillparzer, AnastasiusGrün (Graf Auersperg), Fürst Pückler, Richard Wagner, HeinrichLaube, Fanny Lewald, Adolph Stahr und viele andre weilten häufigin Paris. Kaum einer von Heines alten Freunden ließ es sichnehmen, ihn dort aufzusuchen. Diese Besuche hielten den Dichterin dauernder Verbindung mit der Heimat, das geistige Band zwischenParis und Deutschland war viel stärker als fünfzig Jahre später,trotzdem die Verkehrsmittel in der Zwischenzeit die räumliche Ent-fernung verkleinert hatten. Die Behauptung ist nicht übertrieben,daß ein Teil des geistigen deutschen Lebens nach Paris verlegtwar, vor allem ein großer Teil des politischen Lebens.
Viele Deutsche, die mit den heimischen Regierungen in Konfliktgeraten waren, hatten sich nach Paris geflüchtet. Teils waren eswirklich Ausgewiesene, teils Leute, die es zu Recht oder Unrechtfür besser hielten, das deutsche Gebiet und die Reichweite derbnndesstaatlichen Polizei zu meiden. Diese Flüchtlinge bildeten einesehr gemischte Gesellschaft, vielfach waren es reine Idealisten vonmakellosem Ruf und Wandel, vielfach recht zweifelhafte Elemente,auf die der Ausdruck „Schnorrer und Verschwörer" angewendetwerden darf. In der Fremde nahm man es nicht so genau, manfühlte sich als Schicksalsgenossen, als Opfer der Tyrannei unddachte nicht daran, den Fall jedes einzelnen zu untersuchen. Dasgeistige Haupt dieser Gesellschaft, denn von einer Partei läßt sichkaum reden, bildete Ludwig Börne oder, wie sein Geburtsnamelautet, Löw Baruch. Beim Ausbruch der Julirevolution war ernach Paris geeilt, um das Werk der Freiheit zu vollenden undwomöglich nach Deutschland zu übertragen. „Er war", wie ihmselbst Heine, sein erbitterter Gegner, bezeugen mußte, „ein Patriotvom Wirbel bis zur Zehe, und das Vaterland war seine ganzeLiebe." Das ist gewiß ehrenvoll für einen Mann, der noch dieganze Schmach der Frankfurter Judengasse durchlebt und sein Amtverloren hatte, als durch den Sieg der Deutschen 1814 die kaum