Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
356
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356 XIII, In Paris

bsukvolantiua, die in den französisch verfaßten Schriften den Tonder gesellschaftlichen Höflichkeit kaum überschreiten, in dem sach-licheren deutschen Stil dagegen den Leser unangenehm berühren undsein Gefühl oft beleidigen, Heine war nicht blind gegen die Fehlerder Franzosen, wenn er auch selten von ihnen spricht, Ihre Eitel-keit und Selbstgefälligkeit waren ihm wohl bekannt, ihre Phrasen-haftigkeit,Schwatzhaftigkeit,Unzuverlässigkeit und Unsauberkeit wurdenihm oft unleidlich. Er durchschaute die „Großmäuligkeit ihrer vonFreiheit" deklamierenden Presse, die in krassem Widerspruch zuder Schwunglosigkeit, Nüchternheit und materialistischen Gesinnungdes Volkes stand, und er empfand es nicht als Vorzug, daß „alleBande der Familie in Frankreich gelockert" und „jede Autoritätniedergebrochen" war. Das sind gewiß schwerwiegende Zugeständ-nisse für einen begeisterten Anhänger Frankreichs.

Überhaupt hallender Dichter, wenn er sein Auge in die Zukunftschweifen ließ, mehr Vertrauen zu der alten als zu der neuen Heimat,allerdings unter der Voraussetzung, daß Deutschland sich dem demo-kratischen Gedanken anpassen würde. Er mahnte die Franzosen dringend,sich nicht in die inneren Angelegenheiten Deutschlands zu mischen,denn er sah voraus, daß an der geeinten Kraft des deutschenVolkes ihre Eingriffe kläglich zerschellen würden. In solchen pro-phetischen Augenblicken stand die Erhebung Deutschlands als sichervor seinen Augen, allerdings eine Erhebung, wie er sie verstand,durch die Revolution. „Ich rate euch, ihr Franzosen, verhaltet euchalsdann sehr stille und beileibe! hütet euch zu applaudieren. Wirkönnten euch leicht mißverstehen und euch in unsrer unhöflichenArt etwas barsch zur Ruhe verweisen; denn wenn wir früherhinin unserm servil verdrossenen Zustande euch manchmal über-wältigen konnten, so vermöchten wir es noch weit eher im Über-mute des Freiheitsrausches. Ihr wißt ja selber, was mau in einemsolchen Zustand vermag, und ihr seid nicht mehr in einem solchenZustande. Nehmt euch in acht! Ich meine es gut mit euch unddeshalb sage ich euch die bittere Wahrheit. Ihr habt von dembefreiten Deutschland mehr zu befürchten als von der ganzen heiligen