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Heinrich Heine
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Deutschland und Frankreich

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des Geistes. Aber selbst dieses geistige Deutschland war den Fran-zosen so gut wie unbekannt, und das wenige, das sie davon wußten,stammte aus dem tendenziösen Buch der Frau von Staöl, die teil-weise, um Napoleon zu ärgern, die Zustände jenseits des Rheinesin einer einseitigen und übertrieben günstigen Beleuchtung ge-schildert hatte. Sie fand dort die Tugenden, die in Frankreich nichtmehr existierten, Keuschheit, Treue, Reinheit der Sitten, Einfach-heit, kurz alle die Vorzüge, mit denen die Vorstellung des Roman-tikers das Mittelalter auszuschmücken pflegte. Man darf sich durchdas Lob der Frau von Staöl nicht täuschen lassen. Sie gab wohlzu, daß die Deutschen moralisch besser als die Franzosen seien,aber dieser höhere sittliche Wert beruhte doch auf ihrer Rück-ständigkeit. Wie es Tacitus nicht in den Sinn kam, einen altenGermanen, weil er ein besserer Mensch war, einem Römer gleich-zustellen, ebenso ist für Frau von Stasi die kulturelle Überlegenheitihrer Landsleute etwas Selbstverständliches. Deutschland mag guteSitten haben, aber Frankreich besitzt die Kultur, es verkörpert dieGegenwart, Deutschland die Vergangenheit. Es erschien den Fran-zosen wie ein Stück mittelalterlicher Romantik, die in das helleLicht des 19. Jahrhunderts, wie ein Rest von Poesie, der in dieProsa der Neuzeit hineinragte. Der Name wurde

nicht genannt ohne die Beiworte 1s, ckoues, la ellusts, Ig. ronau-nssgus; es sind die geläufigen Bezeichnungen, die die deutschen undfranzösischen Nachahmer Walter Scotts dem Mittelalter beilegen.

Die französischen Romantiker nahmen ein besonderes Interesse anDeutschland, sie begeisterten sich, ohne es zu kennen, für diesesLand der verfallenen Ritterburgen, der kleinen Universitäten, derDuodezstaaten und der politischen Machtlosigkeit. Die französischeRomantik war unpolitisch, sie lehnte die Politik in bewußter Weiseab, um völlig in der Kunst aufzugehen. Dieser Zustand schien inDeutschland verwirklicht, es erschien als das Land des reinenGeistes, das Land der Poesie und der Philosophie. Einzelne derfranzösischen Romantiker nahmen sich die Mühe und zogen überden Rhein. Da sie aber die Sprache nicht beherrschten und in.