Die französische Pension Z49
der französischen Regierung eine Jahresrente von 4800 Franken zahlenließ. Der Dichter selbst hat sie als „jenes große Almosen" be-zeichnet, welches das französische Volk an so viele Tausende vonFremden spendete, die sich durch ihren Eifer für die Sache derRevolution in ihrer Heimat mehr oder minder glorreich kompro-mittiert hatten und an dem gastlichen Herde Frankreichs eine Frei-stätte suchten. Es ist richtig, daß Heine nicht der einzige war, derdiese Unterstützung empfing, ja daß er sogar recht zahlreiche Ge-nossen aus aller Herren Ländern besaß, es ist auch richtig, daß erkeine Gegenleistung übernahm und nicht in den Sold der franzö-sischen Regierung trat, aber es ist doch ein gewaltiger Unterschied,ob diese Liebesgabe an irgendeine gefallene Größe, die sich indas Privatleben zurückzog, gezahlt wurde oder an den ersten Publi-zisten Europas. Auch Metternich dachte nicht daran, bestimmteDienste von Börne zu verlangen, als er ihn gegen ein sehr statt-liches Gehalt nach Wien zu ziehen suchte. Beide Teile wußten, daßes sich trotzdem nicht um ein Geschenk handelte. Der fürstlicheMenschenkenner war sich darüber klar, daß ein Autor des Liedsingen muß, dessen Brot er ißt. Börne lehnte ab; Heine nahm diePension und begab sich dadurch zum mindesten in eine moralischeAbhängigkeit. Er verlor die Freiheit, gegen die Männer zu schreiben,die ihm Gehalt zahlten.
Während er in den ersten Pariser Jahren den Bürgerkönig und seinebeiden bedeutendsten Minister Guizot und Thiers rücksichtslos ver-spottete, hören diese Angriffe zu einem bestimmten Zeitpunkt ganz aufoder nehmen den Charakter einer harmlosen Opposition an. Man wirdnicht fehlgreifen, wenn man diese Mäßigung mit der Aussicht auf einePension oder mit ihrer Bewilligung in Verbindung bringt. Das fran-zösische Volk hatte mit diesem Zuschuß, der aus einem geheimen Fondsgewährt wurde, nichts zu tun, und seiner Regierung lag damals mehran der Dämpfung als an der Förderung des revolutionären Gedankens.Das alles wußte Heine. Zu seinen Gunsten spricht nur die Gering-fügigkeit der Summe, die ihn in keiner Weise aller materiellen Sorgenenthob. Wenn er sich verkaufen wollte, so konnte er einen viel höheren