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XII, Die Julirevolution
das den Charakter jener zwiespältigen Epoche mit ihrer Hoffnungs-freudigkeit und Weltmüdigkeit, ihrer Begeisterung und Blasiertheit,ihrem selbstzerfleischenden Witz und versöhnenden Humor klarerzum Ausdruck bringt. Es ist ein Weltbild, das das Aufkommender modernen Weltanschauung im Kampfe gegen die Romantikdarstellt. Die politische Betrachtungsweise ringt mit der poetischen,die praktische mit der künstlerischen, die realistische mit der senti-mentalen. Der Verfasser selbst blieb immer Romantiker, und demist es zuzuschreiben, daß das Poetische abgerundeter und anschau-licher hervortritt als das Politische. Die ersten Bände, in denendie Poesie überwiegt, stehen über den späteren. Die Nachwelt liestdie „Harzreise" und das „Buch Le Grand" noch heute mit Ver-gnügen, während die „Stadt Lucca", die „Nordsee III" und die„Englischen Fragmente" nur noch als geschichtliche Dokumente vondem Literarhistoriker beachtet werden. Es liegt nicht nur daran,daß das meiste, was Heine erstrebte, längst verwirklicht und inganz anderer Weise, als er dachte, verwirklicht ist, sondern es liegtan der Dürftigkeit seiner politischen Gedanken überhaupt. SeineFreiheitsidee besitzt nur einen negativen, aber keinen positiven In-halt. Sie reißt nieder, weiß aber nichts Besseres an die Stelledes Alten zu setzen. Diese Ideenlosigkeit führte zur Katastrophedes Liberalismus im Jahre 1848. Als die Stunde der Tat schlug,fand sie nur Doktrinäre und Paragraphenschreiber. Heine wie alleseine Zeitgenossen fordern eine Verfassung und erwarten Wundervon ihr. Sie übersehen, daß die Verfassung kein Volk schafft,sondern nur der jeweilige Ausdruck eines Volkes auf einer be-stimmten Entwicklungsstufe ist. So wenig das deutsche Volk nacheiner mehrhundertjährigen Ohnmacht plötzlich politisch werdenkonnte, so wenig vermochte es der Dichter selber. Er ist darin ganzdeutsch, ganz der Sohn seiner Zeit, und was er und seine ZeitPolitik nannten, das ging über Wünsche und Träume, über Hoff-nungen und Phantasien nicht hinaus. Heine war nach seiner ganzenVeranlagung kein Politiker, sondern ein Dichter, der die Not seinerZeit am eigenen Leibe fühlte, und weil er sie fühlte, ein Politiker