Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
328
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ZZZ XII. Die Julirevoluiion

Rechte der unterdrückten Vernunft aufnahm. Er kämpfte unter Ein-satz des eignen Lebens gegen die ungebrochene Macht des Adelsund der Geistlichkeit, Heine gegen eine vorübergehende Reaktion.Voltaire schmiedete sich seine Waffen selber, Heine fand sie gebrauchs-fertig in dem Arsenal der Philosophie. Er bezeichnete sich späterals einen Vogel, der sein Nest in der Perücke des Herrn vonVoltaire gebaut habe, aber mit diesem den Franzosen schmeicheln-den Vergleich tat er sich trotz der Abhängigkeit von seinem Vor-läufer Unrecht. Mag er ihm als Denker und Kämpfer nicht eben-bürtig sein, so ist er ihm als Dichter weit überlegen. Heines Au-griffe auf die bestehenden Zustände erhalten ihre persönliche Färbungund ihre Wucht nicht durch ihre Begründung, sondern durch diePoesie. Selbst sein Spott und seine Satire sind poetisch. Sie ver-locken durch die Form, sie schmeicheln sich ein, sie ziehen die Sinnein ihren Bann. Der Leser merkt gar nicht, daß eine Welt vor seinenAugen in Trümmer geschlagen wird, bis er plötzlich aus dem Lachenaufwacht und die Scherben am Boden erblickt. Voltaire ist deklama-torisch und selbst wenn er lacht, bleibt er ernst, Heine wird nietragisch und darum wurde er häufig nicht ernst genommen trotzder Wirkung, die seine Schriften ausübten. An historischer Be-deutung freilich kann er sich mit Voltaire nicht messen, der Fran-zose war ein Bahnbrecher, der Deutsche ist im Verhältnis zu ihmein Nachzügler. Voltaire drückte einem Jahrhundert die Spurenseines Geistes auf, Heine ist nur ein Sohn seiner Zeit und ihrWerkzeug.

Seine Kampfansage, wie er sie in der „Stadt Lucca" formu-liert hat, wäre ein würdiger Abschluß seiner italienischen Reise undder „Reisebilder" überhaupt gewesen. Leider ließ es der Dichternicht bei den sachlichen Darlegungen bewenden, sondern hielt es fürnötig, in der Fortsetzung seine persönliche Stellung in diesem Kampfzu schildern, sowie das Martyrium, das er für die Freiheit er-duldet. Er vergleicht sich mit Don Quixote. In einem sehr hübschenKapitel zeichnet er den scharfsinnigen Junker als den Helden desreinsten Idealismus, der von verständnislosen Menschen gehänselt