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Heinrich Heine
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XII. Die Julirevolution

der bis ins Mark der Erde drang? Was gibt's Neues? Dürfenwir wieder hinauf?' Nein, ihr bleibt unten in Nebelheim, wo baldein neuer Todesgenosse zu euch hinabsteigt . , . .Wie heißt er?'Ihr kennt ihn gut, der euch einst hinabstieß in das Reich derewigen Nacht. . , Pan ist tot! — Lafayette, die dreifarbige Fahüe,die Marseillaise . . . Fort ist meine Sehnsucht nach Ruhe. Ichweiß jetzt wieder, was ich will, was ich soll, was ich muß. Ichbin der Sohn der Revolution und greife wieder zu den gefeitenWaffen, worüber meine Mutter den Zaubersegen ausgesprochen . . .Blumen! Blumen! Ich will mein Haupt bekränzen zum Todes-kampf. Und auch die Leier, reicht mir die Leier, damit ich einSchlachtlied singe. . . Worte gleich flammenden Sternen, die ausder Höhe herabschießen und die Paläste verbrennen und die Hüttenerleuchten . . . Worte gleich blanken Wurfspeeren, die bis in densiebenten Himmel hinaufschwirren und die frommen Heuchler treffen,die sich dort eingeschlichen ins Allerheiligste ... Ich bin ganzFreude und Gesang, ganz Schwert und Flamme!"

So spricht ein Berauschter, ein Dichter, der sich vor Glücksgefühlnicht zu fassen vermag. Es war ja nun alles so gekommen, wieer es in seinen kühnsten Träumen gehofft hatte. In drei Tagenwar das große Werk vollendet. Hatte er nicht immer gesagt, daßAdel und Klerus nur noch Gespenster seien, Spukgestalten, diebeim ersten Krähen des Hahnes sich in nichts auslösen würden?Es genügte, daß das Volk sich erhob und der Schwärm derFeinde war verschwunden, ohne daß es zu größerem Blutvergießengekommen war. Die Arbeiter hatten zwar wie bei jeder Revolutionangeblich Wunder von Tapferkeit verrichtet,' sie hatten die nackteBrust den Schergen der Tyrannei entgegengeworfen. So stand esin den Zeitungen und bald konnte man die Heldentaten der Frei-heitskämpfer sogar gemalt sehen, aber auf der andern Seite unter-lag es keinem Zweifel, daß ein nennenswerter Widerstand nichtstattgefunden hatte. Dieser rasche unblutige Verlauf entsprach ganzHeines Neigung. Er begeisterte sich wohl für Danton und Robes-pierre, aber eine Revolution im blutigen Stile dieser Männer