Bäder von Lucca
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die Kunst nur nach Talern und Groschen abschätzen kann. Magsein, daß der Dichter mit dieser komischen Gestalt seinem Onkeleinen Spaß machen wollte, mag sein, daß Salomon Heine darüberlachte, er selbst besaß doch eine starke Verwandtschast mit diesemGumpelino.
Und doch hielt sich Heine frei von jeder Bitterkeit, obgleich ergerade aus den Bädern von Lucca dem Onkel schrieb: „Lassen Sieetwas ab von Ihren Klagen gegen mich, da sie sich doch alle aufGeld reduzieren lassen. . . . Glauben Sie wohl, Onkel, daß dasebensoviel bedeutet, als wenn ein Herz reißt, das man mitKränkungen überstopft hat?" Er vermag jetzt dieses Judentum,das einst wie ein Alp auf ihm lag, mit der ganzen Überlegenheitdes Humors wegzulachen. Darin liegt die persönliche Bedeutungder Erzählung für den Verfasser. Sie ist seine Befreiung von demJudentum, wenigstens die Befreiung des Dichters. Seit seiner An-kunft in Berlin hatte er mit ihm gerungen, er hatte ihm den bestenEnthusiasmus seiner Jugend geweiht, und er hatte sich, soweit eres vermochte, für das Judentum geopfert. Der Lohn war Undank,Hohn und Haß und unsägliches Leiden. Endlich raffte sich derDichter auf, und von dem Judentum blieb nichts übrig als dergetaufte Gumpelino und Hirsch-Hyazinth. Was man belachen kann,hat die Macht über die Seele verloren. Heine hat schon frühermanches scharfe Wort, manchen bissigen Witz gegen die Religionseiner Väter gerichtet. Wer schmäht, fürchtet noch; wer nicht mehrfürchtet, der lacht. Und so lacht hier der Dichter über das Juden-tum, wie über etwas Unwirkliches, das keine Macht mehr überihn besitzt.
Die „Bäder von Lucca" sind in der Hauptsache eine Zu-sammenstellung von Episoden, die eigentliche Handlung ist sehrknapp. Sie besteht in dem Abenteuer des verliebten Gumpelino,dem seine Julia die Erhörung seiner Werbung bietet, der aber vondem freundlichen Angebot keinen Gebrauch machen kann, da ergerade ein sehr wirksames Abführmittel im Leibe hat. Statt desThrones der Liebe muß er den Stuhl der Nacht besteigen. Und
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