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X. Auf Wanderschaft
Verdrvssnen Sinn im kalten Herzen hegend,schau ich verdrießlich in die kalte Welt.
Man kann zweifeln, ob die Byronstiminung durch den Aufenthalt inEngland oder durch den Eintritt in die Politik wieder angefacht wurde.Auf jeden Fall ist um diese Zeit eine neue Annäherung Heines anden britischen Dichter festzustellen und bei seinem Übergang zurPolitik hat sicher das Vorbild des edeln Lords, der ja zugleichSänger und Vorkämpfer der europäischen Freiheit war, wenn auchunbewußt, den Ausschlag gegeben. Sein Platz war jetzt leer undHeine fühlte sich berufen, ihn einzunehmen. Er gefiel sich in derRolle, und die ganze Reise nach Westdeutschland galt der Be-friedigung seiner Eitelkeit. Er wollte sich in dem Ruhm der „Reise-bilder" und als neuester Führer der Liberalen sonnen. Darumwurde auch der große Umweg über Frankfurt gewählt, er wollteaus Börnes Hand die Anerkennung und höchste Weihe empfangen.
Vier Tage weilten die beiden neuen Freunde, die später so erbitterteFeinde werden sollten, beieinander und verstanden sich vortrefflich.Heine bot sicher alle seine Liebenswürdigkeit auf, und der wenigumgängliche Börne befand sich damals infolge verschiedener günstigeräußerer Ereignisse in verhältnismäßig freundlicher Stimmung.Unter diesen Umständen war es nicht schwer, sich über einigeallgemeine liberale Grundsätze ohne jede praktische Bedeutung zuverstündigen. Beide haßten den Adel und die Kirche, beide glühtenfür die Revolution, und wenn der polternde Börne sein Stecken-pferd ritt und auf Goethe schimpfte, so widersprach Heine sichernicht, sondern freute sich, daß andre die Dinge aussprachen, die erklugerweise für sich behielt. Er ließ es sich auch gefallen, daß Börneseine Begeisterung für Napoleon tadelte, ihm lag daran, auf denälteren einen Eindruck zu machen. Und das gelang ihm. Börneglaubte einen zuverlässigen Genossen im Kampfe für die Freiheitgewonnen zu haben. Kurz sie waren, wie Heine schreibt, inssparablebis zum Augenblick, wo Börne ihn mit einer Warnung vor denPfaffen in München zur Post brachte. Die nächste Station unseresDichters war Heidelberg, wo sein Bruder Max damals studierte.