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X. Auf Wanderschaft
bereitet. In der individualistischen Betrachtungsweise der Romantiksah er nur den großen Genius als losgelöste Persönlichkeit und hieltes nicht der Mühe wert, ihn als Teil seines Volkstums zu erfassen,das sich in seinen Werken mit allen seinen Vorzügen und Schwächenwiederfinden muß. Heine sprach, frei von allen geschichtlichen Kennt-nissen, dem Zeitalter der Elisabeth die denkbar größte Bühnenfreiheitzu, und damit war die Erscheinung Shakespeares für ihn aus derIdee der Freiheit erklärt. Im Gegensatz zu Goethe, der aus denDingen lernt, sind für Heine wie für alle Romantiker Reisen ohneEinfluß auf ihre Entwicklung, weil sie in die Erscheinungen dochnur sich selbst und ihre Ideen hineindeuten. So hat auch derAufenthalt in England den Dichter Heine nicht angeregt, den Poli-tiker nicht gefördert.
Ehe er die Heimreise antrat, verbrachte er einige Tage in demdamals vornehmsten Seebad Englands, in Ramsgate. Das Meerist hier großartiger, es brandet wilder an dem weißen Kreidekliffempor als an der flachen deutschen Küste. Heine hat den Zauberwohl empfunden, aber er wurde ihm nicht zur Dichtung. DieZeit der Meerespoesie war vorüber, außerdem war sein wahl-verwandtes Element die melancholische Nordsee mit dem schwer-mütigen Reiz der kleinen friesischen Inseln. Uber Holland kehrte erzurück. „Ich hatte dort viel Spaß", ist alles, was er von demLande zu sagen hat. Dann ging es wieder nach dem geliebtenNorderney. Seine Reise nach England unmittelbar nach Erscheinenseines staatsgefährlichen Buches mochte vieleil als feige Fluchterscheinen, Heine wollte einen Beweis seiner Unerschrockenheit geben,indem er den Ort aufsuchte, in dem der von ihm so heftig angegriffenehannöversche Adel den Ton beherrschte. Es gehörte wirklich Mutdazu, denn wie die Sitten damals waren, erschien es nicht aus-geschlossen, daß sich irgendein Rohling persönlich an ihm vergriff.Aber nichts dergleichen geschah. Die Gesellschaft schnitt den Dichter,und daß sie versucht habe, die Eingeborenen gegen ihn aufzuhetzen,ist wohl nur eine Ausgeburt seiner reizbaren Phantasie, die überallFeinde und Gefahren witterte. Nach vierzehn Tagen vertauschte er