Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

Buch Le Grand

241

Jugendtage des Dichters. Er erzählt das „traurige Märchen seinesLebens", er berichtet von seiner Familie und seiner Kindheit, vonder Schule und seiner „Franzosenzeit". Er schildert den Untergangder alten pfälzischen Herrschaft und die Aufrichtung der neuen.Murat und der Tambour Le Grand rucken ein, Napoleon selbererscheint: „Und der Kaiser mit seinem Gefolge ritt mitten durchdie Allee, die schauernden Bäume beugten sich vorwärts, wo ervorbeikam, die Sonnenstrahlen zitterten furchtsam neugierig durchdas grüne Laub, und am blauen Himmel oben schwamm sichtbarein goldner Stern. Der Kaiser trug seine scheinlose grüne Uniformund das kleine welthistorische Hütchen. Er ritt ein weißes Rößlein,und das ging so ruhig stolz, so sicher, so ausgezeichnet — war' ichdamals Kronprinz von Preußen gewesen, ich hätte dieses Rößleinbeneidet. Nachlässig, fast hängend, saß der Kaiser, die eine Handhielt hoch den Zaum, die andere klopfte gutmütig den Hals desPferdchens." Doch der „imperiale Märchentraum" bricht zusammen,der Tambour trommelt ihm und sich selber den Todesmarsch. DieTragödie ist aus, die Komödie kann beginnen. „Nach dem Abzugder Helden kommen die Clowns und Graziosos mit ihren Narren-kolben und Pritschen." Und mit ihnen betritt wieder der Autorselbst die Bühne. Er verteidigt sich gegen alle Vorwürfe, die manihm gemacht hat. Man tadelte, daß er nichts Rechtes gelernt habe,er zeigt, daß er jährlich über zehntausend Zitate verfügt, er kramtdie entlegenste Gelehrsamkeit aus und beweist seine Bekanntschaftmit der Hegelschen Philosophie. Das Beispiel Horaz gibt ihmGelegenheit, sich gegen den Vorwurf des Schmarotzertums zu ver-wahren. Dem Besitz an Geld stellt er seinen unerschöpflichen Reich-tum au Ideen gegenüber. Er legt dar, daß er nur aus literarischemInteresse den schlechten Umgang, den man ihm vorwarf, gepflegthabe, und daß er es äußerlich nicht weiter gebracht habe, weil ernicht mit den erfolggesegneten „Narren" paktieren wollte. DieNarrheit führt ihn zu seiner Liebe zurück, denn diese ist selbst eineAusgeburt der Narrheit. Die Szene wird ernster, der Garten inOttensen wird geschildert. Er erklärt seine Liebe: „ ,Sei mein Mäd-

Wolss, Hcine 1ö