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Heinrich Heine
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IX. Zwischen Dichtung und Politik

jüdische Hälse, und just die besten abgeschnitten werden." DieseBedenken wurden dadurch überwunden, daß seine Feinde, Adelund Klerus, auch die der Liberalen waren. Er nahm das liberaleProgramm an, und zwar mit einer Kritik- und RückHaltlosigkeit,die sich nur durch seinen Mangel an politischer Erfahrung sowiedas Fehlen jeder eignen Tradition erklärt.

Gegen den Adel und gegen die positive Religion richtete sichvon nun ab sein Haß, wie auch der Liberalismus sie als die ge-fährlichsten Gegner bekämpfte. Von den Liberalen übernahm Heinedie Einschätzung der gemeinsamen Feinde, in Adel und Klerussahen sie überlebte, von der Revolution längst vernichtete Ein-richtungen, die nur dank der Machtmittel, die sie sich im ab-oluten Staate anmaßen durften, eine gefährliche, volksfeindlicheExistenz fristeten. „IlczrnsW 1'inkarnö!" den Voltaireschen Rufnahm der Dichter ein halbes Jahrhundert nach Voltaires Todewieder auf. Er fühlte sich als Sohn der Revolution und alssolcher bekämpfte er den Adel und die Religion. Es handelte sichnicht mehr um eine jüdische Abneigung gegen das Christentum,sondern, wie der Dichter .schon früher bekannt hatte, um eine Feind-schaft gegen politische Einrichtungen. Es fehlte Heine, weil er alsKind nicht zu glauben gelernt hatte, an Verständnis für das Weseüder Religion. Jede Mystik war ihm fremd, und er hielt die Religionmit den Philosophen der Aufklärung für einen großen Volksbetrug,den Priester und Könige zur Sicherung ihrer Macht und ihrespersönlichen Vorteils begangen hatten. Das Wiedererwachen derreligiösen Gefühle nach den Freiheitskriegen konnte er nur für einen»Rückfall in eine längst überwundene mittelalterliche Schwäche halten.Er ahnte nichts von den seelischen Bedürfnissen des Menschen, deretwas haben muß, das ihn über die Gemeinheit des Tages hinaus-hebt. Er selbst besaß feine Kunst, die ihm die Religion ersetzenkonnte nach dem Worte Goethes:

Wer Poesie und Kunst besitzt, der hat auch Religion,

und wer die beiden nicht besitzt, der habe Religion.

Er verkannte, daß die Menschen ohne ein erhebendes Gefühl in