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VII. Abschluß des Studiums
Gute des Augenblicks nie erkennen, die die Gegenwart immer un-erfreulich, die Vergangenheit immer schön finden. Als Lüneburghinter ihm lag, bemerkte er, daß er dort ein ganz behagliches Da-sein geführt habe. Dasselbe widerfuhr ihm später in München.Er klagte über den Ort, solange er dort weilte, um nachträglich zuentdecken, daß er dort ein „köstliches Leben" hatte. Diese raschenGefühls- und Stimmungsumschläge sind bezeichnend für die innereUnrast des jungen Heine, sie fließen aber teilweise auch aus demWesen der poetischen Begabung selber, die ihreni Träger Weltenvorzaubert, neben denen jede Gegenwart als Enttäuschung wirkenmuß. Immerhin, Heines Verstimmung in Lüneburg war mehr be-rechtigt als seine nachträgliche Zufriedenheit. In Berlin hatte ermit ausgezeichneten Menschen verkehrt, eine Fülle von Anregungenhatte er empfangen und die Aufregungen des literarischen Betriebesausgekostet. Er hatte auch — und das darf nicht unterschätzt werden,zumal da er selber es nicht unterschätzte — den Lebensgenuß kennengelernt. Nicht mehr als geduldeter armer Verwandter wie dereinstim Hause des Onkels, sondern als gleichberechtigter Gast, der durchseinen Geist und seine Stellung Anspruch auf die Freuden desDaseins machen darf. Er liebte eine feine Küche, er trank, wennauch wenig, so doch gut, er kleidete sich elegant und hatte sich andie Formen und den Luxus der höheren Gesellschaft gewöhnt. Diebesten Kreise standen ihm als anerkannten, wenn auch noch nichtberühmten Autor offen. Er war nicht geneigt, auf dieses materielleBehagen zu verzichten.
Das alles vermißte er in Lüneburg. In dem Haus der Elternging es sicher sehr einfach zu. Gleichmäßig flössen die Tage dahin.Ein Theater gab es nicht, Bücher waren schwer zu beschaffen,Neuerscheinungen trafen erst nach Wochen ein, die großen litera-rischen Zeitschriften wurden von niemand gehalten, und was nichtin dem Kreisblatt oder den: Hamburger „Korrespondenten" stand,existierte für diese abgeschlossene Welt nicht. Seine Eltern als frisch zu-gezogene, mittellose Israeliten hatten natürlich keinen größern Um-gang erworben, und ihre wenigen jüdischen Bekanntschaften konnten