VII. Abschluß des S t u d l II III ö
Mai 1823 brach der Dichter seinen Aufenthalt in Berlin^)ab. Die Gründe sind nicht klar. Sein Kopfleiden hatte sick/zwar erheblich verschlechtert, aber doch nicht so, daß er die Groß-stadt verlassen mußte. Die Hochzeit seiner Schwester stand vor derTür, aber wenn er dieser auch beiwohnen wollte, so war das nochkein Anlaß, auf die Rückkehr in die Residenz zu verzichten. Aberder Abschied, den er von den dortigen Freunden nahm, war für dieDauer, nicht mit der Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen. Heinemochte einsehen, daß er das juristische Studium in Berlin niemalszum Abschluß bringen würde. Er hatte zwar mehrfach daran ge-dacht, es aufzugeben, ja sogar nach Frankreich auszuwandern, aberalle diese Pläne hatten keine feste Gestalt angenommen, und ausMangel an einem andern Entschluß blieb es bei der Jurisprudenz.Der Onkel hatte ihm zwar noch für ein weiteres Jahr den Unter-halt auf der Universität zugesagt, aber es war zweifelhaft, ob dieseZusage den Charakter eines unbestimmten Versprechens oder einerbindenden Verpflichtung trug. Außerdem war das Stipendium fürBerlin ungenügend. Entweder mußte es erhöht werden oder derDichter mußte eine billigere Hochschule aufsuchen. Alle diese Gründemachten eine Aussprache mit dem Millionär unvermeidlich, undwenn sie sich auch noch um einige Monate Hütte verschieben lassen,so schien doch gerade der gegenwärtige Zeitpunkt und die augen-blickliche Stimmung des Geldmanns besonders geeignet und erfolg-versprechend.
Der Krösus hatte sich damals sehr gnädig gegen seinen BruderSamson und dessen Familie erwiesen. In dem ersten Brief ausLüneburg schrieb Heine an Varnhagen, seinen Vertrauten in Geld-nnd Familienangelegenheiten: „Günstige Umstände haben in derletzten Zeit meine Eltern und auch meine Geschwister mit so vielErfreulichem und Behaglichem umgeben, daß ich auch für mich einerheiteren Zukunft entgegensehen würde, wenn ich nicht wüßte, daß