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Heinrich Heine
Entstehung
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76 IV. In der Hauptstadt

von damals üblich war, er glaubte an Gott, ohne daß dieserDeismus die bestimmte Form eines Bekenntnisses annahm oder einepraktische Bedeutung gewann. So erklärte er noch 1822, kein Menschkönne in Wirklichkeit Atheist sein, sondern müsse seiner Natur nachan ein höheres Wesen denken: „Das ist seine Bestimmung." Hegelleugnete die Existenz Gottes nicht, aber in seinem System hatteer nur als „absolute Idee" einen Platz. Heine selbst erklärte, daßer durch Hegel zum Atheisten geworden sei und daß dieser seinenGottesglauben zerstört habe. Es mag sein, daß der Schüler denMeister nicht richtig verstand und das Kind mit dem Bade aus-schüttete, auf jeden Fall war die Folge, daß er sich seit der An-näherung an Hegel mit Stolz als gebornen „Feind jeder positivenReligion" bezeichnete. Während seines zweiten Göttinger Aufenthaltesprahlte er mit seinem Unglauben und rühmte sich, nur noch anden pythagoräischen Lehrsatz und das Landrecht zu glauben.

Heine hat niemals das Wesen der Religion verstanden. Solangeer gesund war, schätzte er sie als künstlerische Stimmung, trefflich ge-eignet als eine Grundlage der Poesie, aber er vermeinte, daß sie auchnur noch durch die Kunst erhalten werde und im wirklichen Lebenabgewirtschaftet habe. Glaube und Mangel an Einsicht, wenn nichtgar Glaube und Heuchelei schienen ihm gleichbedeutend. Er ahntenicht, daß die Religion noch eine Macht über die Geister besaß,und in der neu erwachenden Gläubigkeit vermochte er nur einenRückfall in das Mittelalter und in kirchliche Knechtschaft zu sehen.Er hörte in Berlin Schleiermacher, der es versuchte, den Glaubenmit dem Wissen zu verbinden, aber seine Predigt erweckte demHegelschüler „keine sonderlich gottseligen Gefühle", wenn er auchder Persönlichkeit und dem Wahrheitsmut des Mannes Gerechtigkeitzollte. In den „Briefen aus Berlin" heißt es: „Ich finde mich imbessern Sinne dadurch erbaut, erkräftigt und wie durch Stachel-worte aufgegeißelt vom weichen Flaumenbette des schlaffen Jn-differentismus. Dieser Mann braucht nur das schwarze Kirchen-gewand abzuwerfen, und er steht da als ein Priester der Wahrheit."

Wurde er durch Hegel der Religion entfremdet, so kamen andre