Leben in Hamburg
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legen. Das benachbarte Holstein lieferte die saftigsten Braten, Bor-deaux die besten Rotweine, die auf keinem Tisch eines HamburgerHandelsherrn fehlen durften. Die überschäumende Jugendkraft wurdein mehr oder weniger eleganten Tanzlokalen und zweifelhaftenHäufern ausgetobt, bis man die Tochter eines befreundeten Kauf-manns und mit ihr eine angemessene Mitgift heimführte, um einpoesieloses, aber materiell behagliches Eheleben zu führen. Manlebte solide und sparsam, häufte Taler auf Taler, höchstens daßman für gutes Essen und Trinken gelegentlich etwas dranfgehenließ und erzog die neue Generation wieder zu guten Kaufleutenund ehrbaren Kaufmannsfrauen. Eine Erholung bot das Theater,aber die Zeit, wo Lessing daran denken konnte, von Hamburg ausdas deutsche Drama zu erneuern, war längst vorüber. Die Stadtwar zurückgeblieben und hatte den geistigen Aufschwung des übrigenDeutschland nicht mitgemacht. Die Börse war ihr wichtiger als dieBühne. Derselbe Geist herrschte in der Familie Salomon Heinesund nahm bei diesen Emporkömmlingen vielleicht noch unangenehmereFormen an. Die Leute freuten sich ihres jungen Reichtums undgenossen das materielle Behagen, das er ihnen verschaffte, ohne zuahnen, daß auch eine andre Auffassung des Daseins möglich sei.
Der Onkel hatte eine schöne Frau geheiratet, sie scheint aberneben dem selbstherrischen Gatten keine Rolle gespielt zu haben. DerDichter bezeichnete sie nach ihrem Tode als eine „gütige Fee",aber bei ihren Lebzeiten wird sie in seinen Briefen kaum erwähnt.Die Annahme, daß sie die „Madame" des Buches „Le Grand" sei,der der Verfasser das Märchen seines Lebens erzählt, ist daher wenigbegründet. Die Aufgabe der Tante war erfüllt, als sie ihrem Gattensechs Kinder, vier Mädchen und zwei Knaben, geboren hatte. DieTöchter hatten das vorteilhafte Äußere der Mutter geerbt, undbesonders die dritte, Amalie, die damals in ihrer ersten blondenJugend prangte, war wohl geeignet, das Herz des dichtenden Vetterszu entflammen. Geistig unterschied sie sich in nichts von ihren An-gehörigen und weder die Verse noch die Liebe Harrys machten dengeringsten Eindruck auf die Millionärstochter. Sie mag dem fremden