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Heinrich Heine
Entstehung
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I. Kindheit n n d Erziehung

ie Nachrichten, die wir über Heinrich Heines Familie, seine Ge-burt und seine Kindheit besitzen, sind zumeist unsicherer Natur.Der Dichter selbst hat sich zwar vielfach in seinen Schriften über seineEltern und sein Leben in Düsseldorf ausgesprochen, aber alle dieseAngaben, zumal die in den nachgelassenen Memoiren, sind mit dergrößten Vorsicht aufzunehmen. Durch Goethes Vorbild inDich-tung und Wahrheit" beeinflußt, berichtet Heine nicht, was war,sondern das, was sein mußte, wenn sein Werdegang sich logisch,frei von allen Zufälligkeiten vollzogen hätte. Dazu kommt, daßseine Mitteilungen vielfach humoristisch gefärbt, vielfach auch ten-denziös entstellt sind, um sich und seiner Familie in den Augen derWelt ein höheres Ansehen zu geben. Dasselbe gilt in noch stärkeremMaße für die Nachrichten, die wir anderen Mitgliedern der Heine-schen Familie verdanken. Sie gelangten beinahe ausnahmslos zuerheblichem Wohlstand und geachteten Stellungen, traten auch viel-fach zum Christentum über, und da lag ihnen daran, ihre jüdischeAbstammung, ihre niedere Herkunft und ihr unvermittelt raschesEmporkommen und Eindringen in die Gesellschaft nach Möglichkeitzu verschleiern. Sie waren bestrebt, sich eine Familientradition zuschaffen und suchten damit, vielfach in sehr plumper und aufdring-licher Art, ein Gebrechen zu beseitigen, das schon ihren großen An-verwandten schwer bedrückt hatte.

Es war das Unglück des Dichters, daß er außerhalb jederTradition geboren war, daß er keiner Familie entstammte, die, festin der heimischen Erde wurzelnd, ihn von selbst in sichere Lebens-bahnen geleitet hätte. Er besaß einen starken Familiensinn, aberkeine Familie. Schon seine Großeltern waren ihm fremd. Von demGroßvater väterlicher Seite wußte er nur, daß er ein armer Handels-jude war und aus Bückeburg stammte. Er hieß Heymann Heineund siedelte später nach Hannover über. Die Orte sind ohne Be-deutung. Die damaligen Juden besaßen keine Heimat, sie hatten

Wolff, Heine 1