VI
Borwort
zusprechen und zu vertreten. Er soll alles verstehen, aber darumnicht „alles" verzeihen.
Die Literatur über Heine ist sehr groß. Vieles freilich ist, seies von rechts oder links, tendenziös gefärbt, vieles nur sensationelleMache. Wir besitzen zahlreiche vorzügliche Einzelschriften über denDichter, besonders die gediegenen Arbeiten aus Lietzmanns Seminar,aber es fehlt in Deutschland an einer Gesamtdarstellung, wie siedie Franzosen schon mehrfach mit mehr oder weniger Erfolg ver-sucht haben. Diese Lücke soll das vorliegende Buch ausfüllen.
Es war mir leider nicht möglich, die Literatur in dem Umfangauszunützen, wie ich es gewünscht hätte. Die preußische Staats-bibliothek, diese Bibliothek gegen die Benutzung, bereitet den hiesigenGelehrten kaum überwindbare Schwierigkeiten. Vielfach war esmir trotz wiederholter Versuche unmöglich, ein Buch zu erhalten,und die Ausfüllung von Desideratenzetteln war in den meistenFällen zwecklos. Auf manche kleinere Schrift, die ich gern eingesehenhätte, mußte ich verzichten.
Drei Männer sind es, die sich um die Heineforschung die größtenVerdienste erworben haben, Adolf Strodtmann, Ernst Elster undFriedrich Hirth. Der erste hat das Material zu einer Lebens-beschreibung des Dichters in mühevoller Arbeit zusammengetragen,der zweite hat uns die erste wissenschaftliche Ausgabe seiner Werkegegeben, der dritte endlich seinen Briefwechsel in mustergültigerWeise gesammelt. Ihnen schulde ich es, daß ich mein Buch über-haupt schreiben konnte. Drum sei hier dem Toten die gebührendeAnerkennung, den Lebenden, die mir leider persönlich fremd sind,der geschuldete Dank dargebracht.
Charlottenburg, im März 1922.
Der Verfasser.