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NsZis Ämic-'t veritas.
ine Lebensbeschreibung Heines ist eine mehr verlockende alsdankbare Aufgabe. Noch immer ist der Dichter ein Gegenstanddes Kampfes, und noch heute ist sein Bild durch die Parteileiden-schaft feiner Freunde und Feinde getrübt. Solange wir uns alsBürger eines mächtigen, glanzvollen Kaiserreichs fühlen durften,mag es schwer gewesen sein, das richtige Verhältnis zu Heine zugewinnen; der schmähliche Zusammenbruch und die trostlose Gegen-wart haben den Boden bereitet, ihn auch als Menschen und Politikerobjektiv zu beurteilen.
Meine eigene Stellung zu Heine hat im Laufe meines Lebenssehr gewechselt. Als ich vor mehr als einem Menschenalter seineGedichte zuerst las, waren sie für mich eine Offenbarung, und ichhabe für den Dichter geschwärmt wie nur je ein junger Mensch,der Sinn und Liebe zur Poesie besitzt. Dann kam der Umschwung.Das wachsende Verständnis Goethes und die dauernde Beschäftigungmit Shakespeare ließen mich das Unedle und Unechte in HeinesWerken und Wesen doppelt peinlich empfinden. Es gab Jahre, woes mir unmöglich war, zahlreiche seiner Gedichte hintereinanderzu lesen. Erst mit dem reiferen Alter, besonders seit ich den Plandieser Biographie gefaßt hatte, gestaltete sich mein Verhältnis zuihm wieder freundlicher. Heine gehört gewiß nicht zu den Größten,aber doch darf er vor die Größten hintreten mit dem stolzen Wort:„^.nalr' io 8vuo xittors."
Es war meine Aufgabe, den Dichter über die Gegensätze desTages emporzuheben, ihn zu erklären, aber ihn nicht zu bekämpfennoch zu verteidigen. Beides haben andere überreichlich getan, undnoch schwankt die Wage der Geschichte, wem sie recht geben soll.Objektiv soll der Geschichtsschreiber sein, aber das bedeutet nicht,daß er sich des eigenen Urteils begeben soll. Das historische Ver-ständnis soll ihn nicht unfähig machen, eine eigene Meinung aus-