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2. Jacob Michael Neinhold Lenz,
Dichter und Schriftsteller, geb. 12. 1. 1751, ch 23. 5. 1792,
des General-Superintendenten Christian David Lenz zweiter Sohn, am 12. Januar1751 zu Scßwegen geboren, studierte seit 1768 zu Königsberg i. Pr. Von dortbegleitete er 1771 zwei junge Adelige auf die Universität zu Straßburg, wo eran dem gemütvollen Salzmann und dem geistsprühenden Goethe anregendeGenossen fand. An Letzteren schloß er sich innig an und ward sein Freund.Er strengte alle Kräfte an, zu gleicher Dichterhöhe wie Goethe emporzuklimmen.In seinem anerkennenswerten Streben wurde er jedoch durch eine unglücklicheLiebe gehemmt, die er zu der schönen Pfarrerstvchter Friederike Brion in Sesenheimfaßte. Seine nicht erwiederte Liebe ward die Veranlassung zu der unglücklichenWendung, die sein Leben nahm. Eine niederdrückende Schwermut, die schließlichin Gemütsstörung ausartete, befiel ihn.
Dazu kam, daß die dramatischen Stücke, welche er schrieb, wie „Der neueMeuoza", „Der Hofmeister", „Die Soldaten" pp. die gehoffte Anerkennungnicht fanden. Dies vermehrte seine Mißstimmung.
Der Aufenthalt in Weimar (1776), wo Goethe, Herder und Wieland sichseiner freundlich annahmen, vermochte seine zerrütteten Nerven nicht herzustellen.
Auf Goethes Antrieb modernisierte er daselbst die Lustspiele des Plautusfür das deutsche Theater" „Das Väterchen", „Die Aussteuer" u. a. m. Schätzbarwar seine Vorliebe für Shakespeare, dessen Humor ihn besonders anzog. AlsBeilage zu seinen „Anmerkungen über das Theater", in denen er gegen dieHerkömmlichkeiten der Bühne mit Eiser austrat, gab er eine Übersetzung vonShakespeares „Der Liebe Mühe umsonst".
Leider ließ er sich zu manchen Taktlosigkeiten gegen den Hof zu Weimarhinreißen, ja er verfaßte schließlich ein Pasquill, in welchem er die Etikette desHofes verspottete und in versteckter Weise auch Goethe beleidigte. Infolge dessenwurde er aus Weimar verwiesen und kam 1777 nach Straßbnrg zurück, wodie früheren Freunde und Bekannten sich des Nervenkranken in ausopfernderWeise annahmen.
Pfarrer Oberlin in Waldbach, darnach ein in stiller Waldeinsamkeitwohnender Förster nahmen ihn in liebevolle Pflege; allein der Kranke entzogsich immer wieder ihrer Aufsicht und trieb sich unstet und ziellos am Oberrheinumher. Auch Lavater gewährte ihm freundliche Ausnahme.
Erst 1779 gelang es seinem Bruder Carl, welcher dazumal gerade inJena die Rechte studierte, ihn nach Livland zurückzubringen.
In der Heimat genaß er anscheinend nach und nach, so daß er es zunächstmit einer Hauslehrerstelle bei einem Herrn v. Liphart versuchte. Doch triebdie Unruhe ihn von dort bald wieder fort. Er ging nach St. Petersburg, umeine Lehrerstelle am Kadettencorps zu erhalten. Als dies jedoch nicht glückte,wandte er sich 178l nach Moskau, um dort „Die Geschichte des Vaterlandes"(Rußland) unter Leitung des Geschichtsforschers Gerh. Friedr. Müller zu studieren.Hier übersetzte er noch einige statistische Werke über Rußland ins Deutsche,