Kna
315
schaft den ganzen Dampf aus dem Aüudloche erhält. Dasselbewürde auch der Fall bei de» in Reih' und Glied stehenden Leuten,noch mehr bei dem Feuer aus engen Gallericn seyn, wenn es über-haupt gcrathcn wäre, bei dem Soldatcngcwehr allgemein die Per-kussionszündnng einzuführen und sich nicht damit bloß auf die leichteInfanterie einzuschränken, 2) Ist daS Knallquccksilber sohöchst empfindlich, daß nach der Erfahrung selbst ein unvorsichtigund zn rasch auf den Stift (Vision) des Perkussionsschlosses ge-stecktes Zündhütchen, oder der auf letzteres in der Ruhe nieder-gelassene Hahn durch einen zufalligen Stoß oder Druck die Ent-zündung veranlassen kann. Laßt sich aber von dem Soldaten imGefecht die durchaus nbthige Ruhe und Genauigkeit bei der Be-handlung seines Gewehres erwarten, um jene Zufalle zu verhü-tend .'>) Die Seltenheit und daher entstehende Theurung desQuecksilbers, die durch den Kriegsgcbrauch desselben mindestensverdoppelt werden würde. Ist auch die von Volz (Militäri-sche Reisen 1. Thl. S. gegebene Berechnung des norhi-gen Quecksilbers, wenn bei allen europäischen Armeen der Ge-brauch des daraus bereiteten Knallpulvers eingeführt würde, et-was übertrieben, laßt sich doch der jahrliche Verbrauch für dieJnfameric und das Geschütz, im Frieden, auf etwa 200 Ctnr.anschlagen, wo bei der geringen Anzahl der Quecksilbcrbcrgwerke imKriege leicht bei der einen oder der andern Armee Mangcl.an demunentbehrlich gewordenen Züudmittcl eintreten konnte.
Das Knallfilber ist unstreitig unter allen ähnlichen me-tallischen Knallpnlvern daS empfindlichste, und deshalb für denKriegsgcbrauch ganz untauglich. Schon die geringste! Warme,die unbedeutendste Reibung, ein darauf fallender Wassertropfenbringt es zur Erplostvn, ein leichtes Erschüttern des Gefäßes,worin es enthalten ist, verursacht die Zerschmetterung desselben.Das von Berthollct 1788 entdeckte Knallsilbcr ist eineVerbindung von Ammonium mit salpctersaurcm Silber,das man durch Kalkwasscr gefällt und, nachdem es einige Tagean der Luft getrocknet har, mit reinem, flüssigem Ammoniumübergössen hat. Dieses löst einen Thcil des Niederschlages rau-schend auf und nach 10 oder 12 Stunden bildet ein Theil des Sil-bers, dem die Luft das Ammonium entzogen hat, ein glän-zendes Häutchen auf der Oberflache. Auf dem Boden zeigt sichsin schwarzes Pulver, das nach abgegossener Füssigkeit vorsichtigauf Loschpapier getrocknet wird und das Knallsilber ist.
Etwas weniger empfindlich, doch immer noch sehr gefahrlichzn behandeln ist daS nach Brugnatclli bereitere Knallsilber,wo man 100 Gran salpetersaures Silbcrpulvcr (Höllenstein)in ein Bierglas schüttet und mit 1 Unze Alkohol, alsdann abermit einer gleichen Menge eoncentrirtcr salpetriger Saure über-gießt. Die Mischung erhitzt sich nun, und unter heftigem Sic-