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2 (1838)
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wollte, mir wär' es möglich, beim Abschied vom Leser, ihm jeneswunderbare Gefühl mit auf den Weg zu geben, das mich einft imKanton Graubünden auf der Wanderung von Reichenau über denBernhardin nach dem reizenden Lugano, beim Anblick der Ruinenvon Rhealta, Bärenburg und Misocco ergriff.

Rhealta, auf schroffem Felsen beim bündnischen StädtleinThujis, 500 Schuh über denselben erhaben, schaut dort düstermit zerfallenem Burggemäuer auf das romantisch-schöne, von wil-den Bergströmen durchwühlte, T omi l ia sc a, oder domleschgerThal, nieder. Es ist dieß dasselbe Thal, in welchem sich, ein halbesJahrtausend vor unsrer Zeitrechnung, die vor den Galen ins Ge-birg geflüchteten Thuscier oder Nhätier zuerst niedergelassen habensollen. Alterthümler und Geschichtsklitterer behaupten sogar, jeneBurg sey vom Nhätus selber, dem Anführer der Auswanderer,dorthin gebaut worden. Wenn wir auch dazu etwas ungläubigeMiene machen, laß' ich mir's doch gefallen, daß dieses von Ge-strüpp und Epheu mitleidig umrankte Trümmerwerk, die ältestealler Antiquitäten des Bündnerlandes sey. Der Anblick des Felsens,zu dessen Füßen der schwarze Nollaftrom, wie ein aus der Unter-welt hervorgebrochener Cocytus, braußt, und droben die verwit-terte Thurmruine, unbekannter Herkunft, versetzte mich wenigstensin jenes Weltalter zurück, wo selbst Rom noch im Beginnen, undHelvetien noch eine weite, leere Bergwildniß war. Wie vieleJahrhunderte währte es, ehe der Mensch diese wilde Natur, unddann wie viele Jahrhunderte, ehe er sich selber zähmte!

Durch die schauerliche Gebirgsspalte bei der Viamala einsamwandernd, fühlt' ich mich unserm Jahrhundert entrückt, in dieUrzeit und in die rohen Anfänge menschlicher Gesellschaftsverhält-nisse zurückgeworfen. So trat ich in das ftillheitere Scham serthalein, aus dessen Hintergründe sich, über senkrechter Felswand,die Ruine der Bären bürg kaum bemerkbar zeigt. Sie steht noch da,wie ein Denkmal von wüster Barbarei des Mittelalters. Zu ihrenFüßen liegen ärmliche Hütten in den Wiesen umher, als wärensie Nachlaß ehemahliger Leibeignen der Burgherrn. Der alte Chro-nikschreiber Campell hat aus diesem Thal eine Sage aufbe-wahrt. Ihr zu Folge ließ der ritterliche Despot des Thals einftseine Rosse keck in Wiesen und Haberfeldern des Volks waiden.Zwei derselben erschlug im Zorn ein Landmann Johannes Chal-dar, die er auf seinem Acker gefunden hatte. Dafür mußt' erim Burgverlies seufzen, bis er von den Seinigen, mit schwerenSummen, zurückgekauft werden konnte. Eines Tages, da der