388
interessanten Beobachtungen, die wohl auch andern Ländern be-deutsam werden könnten. Ich will einige derselben mittheilen.
Unter den 960 Taubstummen im Lande waren nur 626 gei-steskräftig genug, um einer gewissen Bildung empfänglich zu sein,und unter denselben nur 254 schulfähige Kinder von sechs biszwanzig Jahren. Hingegen 446 Individuen zeigten sich vollkom-men schwachsinnig, und unter diesen 169 wirkliche Cretinen.
Auffallender noch ist das Verhältniß der Anzahl der Taubstum-men zu den verschiednen Altern des Lebens. Man sollte fast glau-ben, die Desorganisation ihrer Körper entwickle sich erst, unteranhaltenden bösen Einflüssen von außen, mit den Jahren. Sofand man im Jahr 1836 nur ein einziges dreijähriges Kind mitjenem Leiden behaftet; im vierjährigen Alter schon zwölf Kinder;im Alter von fünf Jahren deren schon fünfzehn; im Alter vonzwölf Jahren dreiunddreißig ; vom fünfzehnten bis zum neun-zehnten Altersjahr vierundsechzig; vom zwanzigsten bis zumvierundzwanzigsten achtuudsiebenzig ; vom fünfundzwanzigstenbis zum vierunddreißigsten aber hundert und drei; dann ineinem Alter von fünfunddreißig Jahren und darüber nur nochachtundvierzig. Der Tod hält also zwischenein seine Erndten.Wenige dieser Personen erreichen ein hohes Alter. — Vielleichtaber deutet jene merkwürdige Stufenfolge auch aus Verminderungdes Uebels seit den letzten Jahrzehenden durch verbesserte Nahrung,Lebensweise und Sittlichkeit.
Weitaus die größere Zahl der Taubstummen, der Kröpflingeund Cretinen befindet sich in den tiefer gelegenen Gegenden deSLandes, die besonders einen durch Ströme, Bäche und Bewässe-rung der Wiesen sehr feuchten Grund haben, und am rechten Aar-ufer, folglich an der, der Nord - und Nordwestseite zugewendetenSchattseite des langen Aarthales, gelegen sind. In den Gemeindenam linken Aarufer, auf felsigem trocknem Boden, längs Bergab-hängen des Jura, welche gegenM ittag oder Südost gewandtsind, werden wenige oder keine Taubstumme gefunden. Auch wollenGerber bemerkt haben, daß Thierhäute, welche sie aus Gemein-den an der Schattseite empfangen, poröser und schwammiger sind,als die von Ortschaften an der Sonnenseite. Jenseits desJura, mithin an dessen Nordwestseite, befindet sich im BezirkLaufenburg fast die Hälfte aller jener Beklagenswürdigen in einemeinzigen Dorfe beisammen; aber es liegt meiner Thaltiefe, ander Schattseite, feucht und unreinlich.
Der große Wasserreichthum des KantonS, welcher von den