Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
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wie Menschen, haben gewöhnlich einem Verdienst des Zufalls mehr,als dem eignen zu danken. Aaran liegt in der Mitte, wenn auchnicht des geographischen Umfangs der Schweiz, doch ihrer Bevöl-kerung ; ohngefähr in gleichen Entfernungen von Luzern oder Zug,von Basel wie von Solothurn, von Bern wie von Zürich, von Schaff-hausen wie von Freiburg oder Neuenburg, von St. Gallen wievon Genf. Darum traten, in vorigen Jahrhunderten, hier oft dieGesandten der Städte und Länder des Bundes, zu Tagsatzungenund Friedensschlüssen, zusammen. Selbst noch im verhängnißvollenJahr 1798, als die französischen Heerhaufen sich gegen die Schweizdrängten, erneuerten hier die Boten der eidgenössischen Kantone,unter Ahnungen des Untergangs, den alten Bundesschwur. Undals der Bund zerfallen und die Schweiz ein ungeteiltes, großesGemeinwesen, zur helvetischen Republik, geworden war, sah sichAaran, wegen seiner bequemen Lage, zur Hauptstadt'dieser Re-publik und zum Sitz der höchsten Gewalten in der Schweiz erhoben.Allein der spärliche Raum des Städtleins wurde dem plötzlichenZudrange von Gästen aus allen Kantonen, und den Bedürfnissenzahlreicher Behörden und Kanzleien einer Centralregierung, inkurzer Frist zu enge. Schon nach wenigen Monaten mußten sieLuzern zum Aufenthalt wählen. Dem verlassenen Aarau blieb nurdie Ehre, noch Hauptort eines einzelnen helvetischen Gaues znseyn. Diese Ehre bewahrte die Stadt auch nach Wiederherstellungdes eidgenössischen Staatenbundes im Jahr 1815.

Noch steht der Thurm Nore; aber vom Rathhaugemäuerder Stadt so umkleidet, daß ein fremdes Auge sein Daseyn kaumerräth. Die Macht der Zeit, oder vielmehr des Menschengeistes,hat seit einem Jahrtausend rings um ihn Alles verwandelt. DieUrwaldungen und Wildnisse sind fruchtbaren Aeckern, Gärten undWasserwiesen gewichen. Zerstreute Landhäuser, Höfe, Fabriken er-heben sich zwischen ihren Obstpflanzungen. Weinreben umsäumenden Fuß des nahen Juragebirgs, welches seine 23000 Fußhohen Grathe und Gipfel in milden Umrissen am Horizont zeichnet.Der Aarstrom wandelt, in mächtigen Krümmungen, durch eineder reizendsten Landschaften der Schweiz, zwischen dem Jura undseinen Dörfern links, und sanft aufwallendem Hügelland rechts,über welches am fernen Hintergründe der weiße Glanz der Alpen-firnen leuchtet. In der Mannichfaltigkeit der Thalgründe undAnhöhen der Ebnen und Bergvorsprünge, wo sich Dorf um Dorf,bald längs dem Strom, bald längs belebten Kunststraßen, bequem-lich hinlagert, oder heimlich bald aus einem Wäldchen, bald aus