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Nicht königlicher Aufwand, nicht die Einbildungskraft des beste»Gartenkünstlers könnte ein schöneres Felsenlabyrinth, als dieses,erbauen. Auch wallfahren alljährlich zahllos die Reisenden dahin, umdie Kunst der Natur zu bewundern, welche, wir wissen nicht,durch welchen Zauber, vielleicht vermittelst schwimmender Gletscher-Platten auf dem Urmeere, die Granit- und Gneis-Massen hieherführte, die sie von den Gipfeln der Alpen, von Viescher- undAarhörnern, losriß. Unversehrt, mit ihren Ecken, Kanten undFlächen, wie diese Massen einst über den Wolken des Himmels amGebirg hingen, ruhn sie da. Und wo die fremden Kolosse einenbreitern, geebneten Raum zwischen sich lassen, erscheint die Einsie-delei der heiligen Verena, eines schönen Mädchens, welches,der Legende zufolge, mit den Kriegsmännern der thebäischen Le-gion, ohne Gefahr für seine jungfräuliche Tugend, in der Welt um-hergezogen ist. In einer der Felshöhlen hier, man weiß nicht warum,siedelte sie sich da eine Zeit lang an. Die heil. Magdalene,mit ihren Goldlocken, hatte mehr geliebt, als sie; dennoch ruhtauch diese reizende Büßerin in einer der benachbarten Grottenlebensgroß, doch nur aus Stein gehauen« Jedesmal an ihremNamensfeste, zur heitern Nelkenzeit, wird die liebenswürdig«Sünderin vorzugsweise von den Händen der'schönen Solothurnerin-nen mit Blumen andächtig bekränzt und bestreut.
In dieser wunderbar lieblichen Felsen-Einsiedelei wähnt mansich wie auf einem Theater, in optischer Täuschung. Links am Felsdas Kirchlein der heil. Verena, mit dem Thürmlein. Eine Stein-brücke führt über den schmalen Bach zur Vorhalle, nach welche;einige Stufen im Felsen emporleiten. Rechts wieder, in geräumi-ger Grotte, ein andres Kirchlein. Dann die Hütte eines Klausnersoder WaldbruderS, der die Heiligthümer des Ortes hüten muß. Ichwill gar nicht das Innere der Kirchen oder Kapellen, nicht die aus-geschmückten Höhlen dahinterbeschreiben; noch weniger das geschmack-lose Bilderwerk, welches hier die wunderbaren Schöpfungen derMeisterin Natur vollkommen verunstaltet. Der Anblick thönerner,ungeschlachter und mit Oelfarben grell und bunt angestrichner Figu-ren, rings an den Granitmauern, hier die schlafenden Jünger,dort ein knieender Jesus am Oelberg mit dem Engel über ihm,dort der rothbärtige Verräther, hier sogar die Stadt Jerusalem,mag vielleicht auf Erhöhung der Andacht, im Mönchsstyl, berechnetseyn, aber stört alle Andacht, zu welcher die großartige Natur dasGemüth ruft. Gern wend' ich das Auge von der kindisch-frommenSpielerei ab, welche das prächtige Schauspiel zum Nürnberger
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