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2 (1838)
Entstehung
Seite
323
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dort ein Geistlicher vielleicht meint; aber der Herr spricht:Anihren Werken sollt Ihr sie erkennen!" Und da scheints mir beiihnen so übel nicht zu stehn. Man muß sie besuchen; unter ihnenleben; und man wird sie lieb gewinnen, ja sogar ein wenig bewun-dern, während man sonst wenig Christen wegen ihres Christenthumsbewundert.

Ich war, Neugier hatte mich dahin verlockt, im stillen Berg-thal des Tschaywo, an den Solvthurner Gränzen, im Wald ausChampoz, in andern freundlichen Einöden bei den Wieder-täufern. Es ward mir bei ihnen zu Muth, als lebt ich in denersten, armen Zeiten des heiligern Urchristenthums; so heiter, sogottessürchtig, ohne alle Kopfhängerei, gastfreundlich und arbeit-sam wohnen sie da, in patriarchalischer Einfalt und frommer Sitte.Unter ihnen sind keine Trunkenbolde, keine Spieler, keine Nacht-schwärmer, keine Lügner, keine neidische Nachbarn. Entsteht unterihnen, aber selten, ein Zwist: so wird er freundlich von einemihrer Aeltesten geschlichtet. Sie nennen sich Bckider, Schwestern,Du und Du. Einer hilft dem Andern nnentgeldlich bei der Arbeit,bei der Heu- und Kornernte und wo es noth thut. Ihre Mäßig-keit, ihre sittliche Reinheit bewahrt ihnen feste Gesundheit, hohesfrisches Alter. Ein Greis von mehr denn siebzig Jahren, derEiner ihrer Lehrer war (Pfarrer haben sie nicht), führte mich rüstigüber Berg und Thal, wie ein lebensreicher Jüngling, zu den übri-gen Brüderfamilien. Welche ächte Liebe der Eheleute, welche Zärt-lichkeit der Geschwister unter einander, welche Aufmerkjamkeit der'Kinder gegen ihre Eltern, sah ich da! Ihre ganze Pädagogik beruhteinfach auf dem Beispiel der Erwachsenen für die Jüngern und denPaar Worten:Habe Gott vor Augen!" Und doch genießen sieeine Erziehung, die edler ist, als die feinste oft in der großenWeck. Welch ein Völkchen, welch ein Christenthum, das keine Ad-vokaten, keine Pfarrer, keine Richter, ja kaum Aerzte braucht!

Sonntags kommen sie abwechselnd bald zu diesem, bald zu jenemLehrer, um im Freien oder in einer Scheuer, oder in einem größernZimmer, Gottesdienst mit Andacht zu verrichten. Der Lehrerspricht, wie es eben in seiner Stimmung oder im Bedürfniß derZuhörer liegt, oder liest aus einem alten Erbauungsbuche vor.Er verrichtet die Taufe, reicht das Abendmahl, segnet die Ehenein, und ist Landmaun wie jeder Andere. Die Taufe geht meistensunmittelbar der ersten Communion, oft der Hochzeit eines lieben-den Paars voran. Doch muß ich nebenbei gestehn, ihre Andachts^,Gebet- und Gesangbücher nebst ihren Märtyrerliedern, sind im