Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
311
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und Wetkerhörner, und welche Namen sie alle fuhren mögen,ftehn gleichsam nur als Zahlen da, die Seiten des großen Natur-Buches zu bezeichnen.

Das ist der eigenthümliche Reiz, mit welchem die Natur, vorandern Gebirgsländern, die Schweiz schmückt, daß sie, mit sinn-reicher Laune, ihre wollustathmenden Zaubergärten unmittelbaran den Rand grausenvoller Gebirgswüsten legt, und mit dembuntesten Farbenschmelz der Alpenflora den ewigen Schnee desGletscherwinters umkränzt. So lagert sich, dicht vor den düsternSchlünden, durch welche der Eingang zu den oberländischen Hoch-thälern nnd zu den stummen Einöden der Eiswelt ist, das kleineParadies von Unterseen oder Jnterlakenz ein ebnes,idyllisches Thal, zwischen zwei geräumigen Seen, dem von Thunund Brienz; umarmt von ungeheuern Bergen, die hier aberihre schreckhafte Größe mit Anmuth umhüllen. Der junge Stromder Aar rinnt von einem See zum andern durch das Gelände,welches mit seinen Gebüschen, ländlichen Hütten, Gärten, Pracht-gebäuden und Wiesen, bei jedem Schritt ein neues Bild herzau-bert. Trümmer der Burg Unspunnen strecken seitwärts aus ver-wildertem Gesträuch ihren grauen Thurm hervor, der, wie einabgeschiedner Geist der Vorzeit, in das Leben des fröhlichen Thalsfremd hineinschaut. Während der Sommerzeit sind die zwei kleinenStädte dieser Landenge von Reisenden aller Nationen übervölkert,sey es zum Genuß der Molkeukuren, oder von hier aus die Wun-der des Hochgebirgs zu sucheu.

Wollt' ich die lange Reihe der letztern aufführen, würd' ichdiese Blätter zu einem dürren Katalog machen müssen. Hier istdie betretenste Heerstraße aller Lustwandrer, die das Oberlandsehen wollen. Durch das Thal von Lauterbrnnnen, von dessenFelsenwänden zwanzig Wasserfälle herabflattern, unter ihnen 900Schuh hoch der vielgepriesene Staubbach, geht der gewöhnlicheZug der Gebirgswallfahrer zur Wengern-Alp. Deun dort, wosie iu öder Höhe ein wirkliches Haus empfängt, steigt, ihnengegenüber, aus schrecklichen Abgründen, die Jungfrau emporin ihrem Eis-Talar, 12,853 Fuß hoch über dem Meer. Mansteht jedoch von ihr durch eine gewaltige Schlucht geschieden, undsieht gefahrlos darin jene Lauinsn verschwinden, welche die Sonnen-wärme fast täglich von ihren weiten, blendenden Firnen löst.Das Murmeln eines fernen Donners verkündet den Fall dermächtigen Massen, die dem Auge wie stäubende Schneebälle er-scheinen, welche von beschneiten Dächern rollen. Vom Anblick des