Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

L99

vielbekannt. Ich mag das Vielerzählte nicht wieder geben. Abereinige Angaben über das Treffen bei Neuenegg, wie ich sie ansMund und Feder meines verstorbenen Freundes Grafenriedempfing, mögen vielleicht Manchem nicht ganz ohne Interesseseyn. Zwar liegt Neuenegg kaum eine Stunde von Laupen ent-fernt, auf Berner Grund, wird aber nur durch den schmalenSenseftrom vom Boden des Kantons Freiburg geschieden; undauch letzterer gab seinen Theil zum blutigen Wahlplatz.

Beim völkerrechtsmörderischen Ueberfall der Schweiz durch dieFranzosen, unter dem Oberbefehlshaber Brune, hatte der GeneralPigeon am 2. März 1798 die Stadt Freiburg befetzt. ZweiTage später stand er, mit 6W9 Mann, auf dem Zuge gegenBern, am linken Senseufer, während drei Berner-Bataillonsmit 12 Stück Geschütz und einigen Scharfschützen-Compagniendie Höhe des rechten Ufers besetzt hielten, so wie das kleine, inder Tiefe, am Strom gelegene Dorf Neuenegg, durch welchesdie große Landstraße von Been nach Feeiburg über eine steinerneBrücke führt.

Die damaligen Berner Milizen, in Eil zusammengezogen,waren ohne erforderliche Waffenübung und Kriegszucht; zwar vollwilder Begeisterung gegen die Feinde des Vaterlandes, aber auchvoll Mißtrauens gegen ihre eigenen Anführer; die Anführer hin-wieder unter sich selbst ohne engere Verbindung, und durch Befehleuud Gegenbefehle irre. Ihr Zaudern und unentschlossenes Handelnsteigerte den Argwohn des gemeinen Mannes. Zween Oberste,Stettler und Rychner, wurden von den Milizen selbst, desVerraths verdächtigt, niedergeschossen. Statt ihrer mußte derOberst Grafenried, welcher die Truppen bei der Stadt Vüren,an der Solothurner Gränze, befehligte, nach Neuenegg eilen,Ordnung herzustellen. Er kam Abends an und fand Alles in größterVerwirrung; nirgends Befehl; nirgends Gehorsam; die Meisten,von Wein und Branntewein berauscht, unter einander umherschwär-mend. Kaum gelang ihm noch, drei eben erst angekommene Com-pagnien zur Bewachung der Sensenbrücke im Dorfe anzuwenden.Finsterniß und Schlaf stellten endlich im Lager Ruhe her, währendder Oberst in der Nacht Kriegsrath hielt, um des andern Morgensdie feindliche Stellung anzugreifen. Dieser aber grauete kaum,als der Donner des französischen Geschützes schon die Schweizeraus dem Schlaf weckte und Stückkugeln durchs Dorf sandte.Hartnäckig vertheidigten die drei Compagnien an der Brücke derenUebergang, bis ihnen links und rechts feindliche Seitenkolonncn, die