Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
292
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2ÄS

Denkt man aber an die schon vorhandne Masse unabhängiger,dabei freisinniger und gebildeter Männer des Landes Freiburg,an die, wenn auch langsamen und erschwerten, Fortschritte desöffentlichen Unterrichts; an die vorhandne Preßfreiheit und ver-mehrte Neigung des Volkes zum Lesen, an den wachsenden Verkehrmit den protestantischen Nachbarkantonen, welche Freiburg allseits um-schließen: so mögte man kaum auf langes Leben des Priesterstaatesinmitten der Republik eine Wette wagen.

2. Grünere.

Für mich war und blieb die Gegend von Gruyere, oderGrey erz, besonders wenn man von Bulle her (dem gewerbigstenStädtchen des Kantons) in dieselbe eintritt, eine der anmuthigstenund lachendsten der Schweiz, und die anziehendste des KantonsFreiburg. Die heitern Wiesenebnen des Thals, mit einzelnenumbüschten Hütten durchsprengt, zeigen in der Ferne die wild herund hin durcheinander taumelnden Hochgebirge, und lassen sich inder Nähe nur von weich anschwellenden Hügeln schmeichelnd um-fässen. Links, auf dem Gipfel eines derselben, schwebt zum Himmelaufgehoben, wie die Krone der Landschaft, die hochgethürmte Burgder alten Greyerzer Grafen; und den Berg hinunter hängt, wieeine Schleppe desselben, malerisch, fantastisch, das Städtleingleiches Namens.

Durchs Mikroskop betrachtet wird auch die schönste Mädchen-wange , ausRosenglut und Lielienschnee gewoben" ekelhaft; undum die antike Pracht des Hügels schön zu finden, muß man sienicht in der Nähe schaun. Denn das Städtlein, zum Theil halb-vermodert, zeigt uns kaum 50 Häuser, und daneben die frommeTrägheit und Armuth der wenigen Einwohner, von denen einegute Anzahl aus den Einkünften des reichen Spitals seine Tagebequemlich fristet. Das finstre, riesige Schloß, mit seinen vielenWart - und Wohnthürmen und Wachtthürmlein, vierzehn Schuhdicken Mauern, Brustwehren, Zwingern, Schießscharten und an-derm Zubehör der Nothwehr, trägt in der That eine ganz van-dalische Physiognomie. Die Sage wenigstens geht noch itzt, derHäuptling einer Vandalenhorde habe im fünften Jahrhundert unsrerZeitrechnung dies Land von seinem König Gundarich empfangenund sich hier angeniftet. Auch das Innere des ungeschlachten Bau'sentspricht dem Aeußern. Das Tageslicht sieht nur schüchtern durch